Kommentar: Chöre nehmen zu Singen als Erlebnis von Rausch und Präzision

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Starkes Team: Als Popchor versteht sich der Wagenfeld- Frauenchor. Foto: Swaantje HehmannStarkes Team: Als Popchor versteht sich der Wagenfeld- Frauenchor. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Wie gut, dass das Singen seinen ideologischen Ballast abgeworfen hat, nicht länger als ewig gestrig gilt. Denn Singen ist Lust pur, eine einzigartige Kombination aus kollektivem Rausch und individueller Präzision – ein Kommentar.

Die menschliche Stimme ist nicht nur zum Artikulieren von Worten da, aber die Anstandsregeln des Erwachsenenlebens lassen uns das leicht vergessen. Wie erfreulich also, dass sich momentan so viele neue und vor allem gute Chöre gründen. Neben dem eher kuscheligen Rudelsingen gibt es also auch die Lust auf Leistung. Beruhigend an dem Phänomen ist auch, dass der Mensch immer wieder Nischen findet, die zu seinen jeweiligen Bedürfnissen passen: Wer nicht viel Zeit für ein geselliges Rahmenprogramm hat, sucht sich halt einen Chor ohne verpflichtende Vereinsaktivitäten.

Schön auch, dass das Singen seinen ideologischen Ballast abgeworfen hat, nicht länger als ewig gestrig gilt. Denn Singen ist Lust pur, eine einzigartige Kombination aus kollektivem Rausch und individueller Präzision. Wer je mehrstimmig im Chor gesungen hat, weiß, welches Hochgefühl Akkorde auslösen, wenn sie sauber getroffen werden. Wenn die eigene kleine Stimme im großen Klangkörper vielfache Kraft entfaltet oder sich das Stimmengeflecht kunstvoll verzweigt. Schließlich genießt das Gehirn mit. Die Digitalisierung des Alltags kann gottlob nicht verhindern, dass wir uns auf unseren Körper und seine Kreativität zurückbesinnen.


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