Oper im Theater Osnabrück Doktor Faust und Mephistopheles posten auf Instagram

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Osnabrück. Ein nachdenklicher Künstler, ein modebewusster Individualist und eine luxusfixierte Herzogin zwischen Hashtags und Fotofiltern – sind sie die neuen Influencer? Studentinnen der Hochschule Osnabrück agieren als Charaktere der Oper „Doktor Faust“ auf Instagram.

Nahezu mystisch präsentiert Doktor Faust ( @der_doktor_faust) sein Instagram-Profil. Da sind Bilder von „magisch“ anmutenden Wäldern, in denen das Sonnenlicht sanft zwischen den Bäumen hindurchstrahlt, von Brief und Siegel, einem Buch mit kryptischen Notizen und Zeichnungen sowie von einem Blatt Papier. Darauf steht mit Tinte und Feder geschrieben der Name „Mephisto“. Alle Fotos sind mit einem kalten Blaufilter versehen, in den Hashtags stehen Schlagworte wie #devil, #demon oder #magic.

Noch düsterer ist das Profil von @der_mephistopheles, dem vermeintlichen Freund Doktor Fausts. Dunkle Fotos von adretter Kleidung, gruseligen Gassen und einem schwarzen Kirchturm stehen wiederum in starkem Kontrast zu den Bildern von @die_herzogin_von_parma. „Die Schöne“, wie sie sich selbst beschreibt, setzt auf warme Schnappschüsse von Schmuck, Kosmetik und hell leuchtenden Kerzen – Hashtag #beauty statt #teuflisch.

„Wir haben die Figuren der Oper charakterisiert und daraus Instagram-Persönlichkeiten entwickelt“, sagt Laura Rehwinkel, Studentin der Hochschule Osnabrück. Die rege Instagram-Aktivität der fiktiven Charaktere verantwortet sie mit sieben weiteren Studentinnen des Studiengangs „Media & Interaction Design“ unter der Leitung von Henrik Arndt. Das Projekt läuft parallel zur Oper „Doktor Faust“ im Osnabrücker Theater. „Wir wollten etwas ganz anderes machen, und die Geschichte von Doktor Faust in die heutige Welt bringen“, sagt ihre Kommilitonin Larissa Rolf. „Wir verzichten dabei vollständig auf das Wort Oper“.

Für die Inszenierung als Influencer schienen die Figuren prädestiniert: „Das bot sich an, da alle Charaktere so unterschiedlich sind“, sagt Rolf. Mit den individuelle Profilen – ein Gelehrter, ein Dämon und eine Herzogin – wollten sich die Studentinnen von den Social-Media-Auftritten des Theaters abheben, denn das sei selbst bereits sehr aktiv auf Kanälen wie Instagram und Facebook.

Die Social-Media-Kampagne ist aber nicht nur bloße Werbung für die Aufführung, sondern funktioniert ergänzend zur Oper, bietet Parallelen, aber auch zusätzliche Informationen zur Geschichte und Eigenschaften der Charaktere. „Sie geht über die Oper hinaus“, sagt Rolf. So ergänzt ein mehrteiliger Podcast mit dem Titel „Zwischenspiel“ die Instagram-Präsens der Charaktere. Die kommen darin selber zu Wort.

Bilder stehen auch für sich

Ziel der Kampagne ist, ein junges Publikum zu akquirieren: „Um jüngere Menschen für das Theater Osnabrück zu begeistern, ist es wichtig, in den sozialen Netzwerken aktiv zu sein“, sagt der Kaufmännische Direktor Matthias Köhn zur Zusammenarbeit mit der Hochschule. Aber: „Die Inhalte sind auch interessant für Menschen, die sich nicht für die Oper interessieren“, sagt Rehwinkel. Die Bilder stünden auch für sich, etwa unter fotografischen Gesichtspunkten.

Am 27. und 29. Juni können Zuschauer „Doktor Faust“ noch im Theater Osnabrück erleben. Danach wird die Aufführung erst wieder im Dezember ins Programm aufgenommen. Bis Anfang Februar 2019 begleiten die Studentinnen mit ihrer Social-Media-Aktivität die Aufführungen der Oper. „Das Projekt endet mit der letzten Aufführung“, sagt Rolf.


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