Das Werk in der Villa Hügel Gigant der Moderne: Essen zeigt Josef Albers

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Essen. Mit seiner Bildserie „Hommage to the Square“ wurde er weltberühmt: Jetzt zeigt Essen das Werk des Bauhausmeisters Josef Albers. Die Ausstellung macht auch klar, warum Albers die aktuelle Kunst herausfordert.

Strenger Seitenscheitel, schmale Krawatte, Intellektuellenbrille: Josef Albers (1888–1976) sieht auf Fotos wirklich nicht wie das stürmische Künstlergenie aus. Stürmisch war er auch nicht, genial schon. Denn der in Bottrop geborene Albers bildete am Bauhaus und am amerikanischen Black Mountain College nicht nur ganze Künstlergenerationen aus, er schuf mit der über 2000 Gemälde umfassenden Serie „Hommage to the Square“ auch eine der wichtigsten Bilderserien des 20. Jahrhunderts. Jetzt ist sein Werk in einer Gesamtschau endlich wieder zu sehen. 170 Exponate werden in der Essener Villa Hügel gezeigt. Hier weiterlesen: Kunst am seidenen Faden - Anni Albers wird neu entdeckt.

Klösterliche Strenge

Drei oder vier Quadrate, ineinander geschachtelt, in unterschiedlichen Farben gefasst: Das Prinzip von „Hommage to the Square“ (Huldigung an das Quadrat) wirkt klösterlich streng. Und dennoch entfaltet Albers gerade in dieser Serie den Reichtum unabschließbar vieler Variationen. Über 2000 jener Bilder, die Albers mit reiner Tubenfarbe auf Holzfaserplatten spachtelt, sind erhalten, viele andere hat er weggeworfen. Jedes der Bilder zeigt eine andere Interaktion leuchtender Farben, jede Tafel inszeniert eine neue Version des scheinbar starren Schemas der Quadrate. Hier weiterlesen: Künstlerpaare zwischen Symbiose und Konkurrenz.

Für Freiheit und Demokratie

Mit methodischer Arbeit macht der Künstler Unendlichkeit erfahrbar. Und zeigt, dass Kooperation alles ist. Die fein ausbalancierten Gleichgewichte seiner Bildkompositionen versteht er auch als Gleichnisse sozialer Beziehungen. Albers widmet seine Arbeit ausdrücklich der Freiheit und Demokratie. Das gilt vor allem für seine Lehrtätigkeit im Exil. Am Black Mountain College im US-Bundesstaat North Carolina bildet der Künstler gemeinsam mit seiner Frau Anni eine ganze Generation der Ausnahmekönner aus. Ob Merce Cunningham, Eva Hesse, Robert Rauschenberg und viele andere mehr – sie alle gingen bei Albers in die künstlerische Lehre. Hier weiterlesen: „Blaupause“ - Theresia Enzensbergers Bauhaus-Roman.

Kunst aus Bruchglas

Anfang der Zwanzigerjahre sammelt der Mittellose noch Glasflaschen auf Deponien, zertrümmert sie mit dem Hammer und komponiert aus den Bruchstücken seine ersten Glasbilder. Einige der luzide funkelnden Lichtkompositionen sind nun ebenso in der Villa Hügel zu sehen wie Möbelentwürfe, Designobjekte oder eben die erhabene Ruhe ausstrahlenden Bilder aus der „Hommage to the Square“-Serie. Hier weiterlesen: Frauen am Bauhaus und ihr Kampf um Anerkennung.

Gesuchte Lehrer

Josef Albers wirkt als Lehrer am Bauhaus, bis die Nationalsozialisten die legendäre Hochschule 1933 schließen. Mit ihm arbeitet seine Frau Anni (1899–1994) in den Werkstätten. Ihre textilen Kunstwerke sind übrigens zeitgleich im nahen Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen. Beide stehen für Kreativität und Offenheit. Gerade deshalb avancieren sie zu gesuchten Lehrern für junge Künstlerinnen und Künstler. Hier weiterlesen: Bielefeld feiert Moderne der Frauen.

Handwerklich nüchtern

Heinz Liesbrock, Direktor des Bottroper Albers-Museums, und Ulrike Growe inszenieren Albers unaufgeregt und damit werkgetreu. Sie erinnern nicht nur an einen stillen Giganten der Moderne, ihre Präsentation stellt auch Albers’ Qualitäten bestens heraus. Handwerkliche Nüchternheit und gedankliche Klarheit machen seine Werke zu Klassikern. Darin steckt aus heutiger Sicht auch eine Kritik jener aktuellen Kunst, die formal dürftig gerät und deshalb die selbst formulierten Ansprüche kaum einzulösen vermag.


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