The Poetry Project im Museumsquartier Gedichte über Flucht und Alleinsein beim Morgenland Festival

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Teil des Poetry Project: Samiullah Rasouli. Ursprünglich stammt er aus Afghanistan. Foto: RottkayTeil des Poetry Project: Samiullah Rasouli. Ursprünglich stammt er aus Afghanistan. Foto: Rottkay

Osnabrück. Diesen Mittwoch gibt es kein Konzert beim Morgenland Festival, sondern einen Abend mit zeitgenössischer Poesie: Geflüchtete Jugendliche aus Afghanistan, Syrien und Irak tragen Gedichte vor. Die deutschen Übersetzungen liest Oliver Meskendahl.

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak, aus den Ländern, für die Krieg und Zerstörung bitterster Alltag sind. Sie sind 14, 15, 16 Jahre alt, und sie kommen allein. Wer hat sie geschickt, wie sind sie hier hergekommen? Wie kommen zurecht in Deutschland? Angesichts der Geflüchteten, die bei uns angekommen sind und immer noch ankommen, stellen unssich solche Fragen. Nur: Interessieren uns die Antworten wirklich, oder bleiben wir nicht lieber unseren Willkommens- oder Ablehnungsklischees verhaftet? Das „Poetry Project“ will differenzierte Antworten zwischen einem kategorischen Ja und einem kategorischen Nein geben. Genauer gesagt: geben lassen. Und zwar mit dem Mittel der Poesie.

Intime Aussagen

Warum Poesie? Susanne Koelbl, Auslandskorrespondentin für den „Spiegel“ und Mitinitiatorin gibt eine zweigeteilte Antwort: „Auf meinen Reisen habe ich es oft erlebt, dass beim Essen plötzlich jemand aufstand, ein Gedicht sprach und sich wieder hinsetzte.“ Mit anderen Worten: Poesie gehört in den Ländern der Levante gewissermaßen zum Leben dazu, zumindest mehr, als in unserer westlichen Welt. Zum anderen können die Jugendlichen im Gedicht, „sehr persönliche, intime und private Sachen darstellen“.

Die Jugendlichen lesen ihre Gedichte in ihrer Sprache vor; eine Schauspielerin oder ein Schauspieler rezitiert die deutsche Übersetzung; bei der Lesung an diesem Mittwoch im Felix-Nussbaum-haus als Teil des Morgenland Festivals übernimmt das Oliver Meskendahl. Premiere hatte das Format vor gut zwei Jahren vor einem Hannah-Arendt-Symposium, und „die Akademiker heulten“, erinnert sich Koelbl. Denn über die Form des Gedichts lassen die Jugendlichen offenbar Dinge heraus, „die man sonst nicht erfahren würde“. Das erreicht das Publikum bei Lesungen in Berlin oder Köln, und es erreicht Experten: Anfang des Jahres erhielten die Jugendlichen den Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis.

Gegen Uninformiertheit

So will das Poetry Project gegen die Uninformiertheit unserer Gesellschaft angehen. Gleichzeitig sollen auch die Jugendlichen Hilfestellung bekommen, um sich bei uns zurechtzufinden. Das funktioniert offenbar: „Diese acht Jugendlichen sind auf einem guten Weg“, dank der Menschen, die sich ihrer hier bei uns angenommen haben. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung für ein funktionierendes Miteinander von uns und den neu angekommenen Menschen.


The Poetry Project - Allein nach Europa. Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr, Museumsquartier. Karten: www.morgenland-festival.com und an der Abendkasse

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