Fortsetzung der Gauner-Reihe Ocean's 8: Symbolfilm der Gender-Debatte

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Vermutlich hätten sie mehr über die Männerwelt zu erzählen als „Ocean’s 8“: Sandra Bullock, , Cate Blanchett, Mindy Kaling, Rihanna, Mindy Kaling Awkwafina, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Sarah Paulson. Foto: Warner Bros./Barry WetcherVermutlich hätten sie mehr über die Männerwelt zu erzählen als „Ocean’s 8“: Sandra Bullock, , Cate Blanchett, Mindy Kaling, Rihanna, Mindy Kaling Awkwafina, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Sarah Paulson. Foto: Warner Bros./Barry Wetcher

Berlin. „Ocean‘s 8“ passt die Gaunerfilm-Reihe dem gewandelten Geschlechterbild an. Jetzt klauen Bullock, Blanchett und Rihanna.

Danny Ocean – König des Männerkinos

Steven Soderberghs „Ocean’s“-Trilogie (2001-2007) handelt im Kern von einem Mann, der mit einem runden Dutzend anderer Männer unknackbare Tresore knackt und nebenbei einem weiteren Mann die Frau ausspannt. Die Gaunerfilm-Reihe hat über eine Milliarde Dollar eingespielt und damit auf fast parodistische Weise vorgeführt, mit was für einem Geschlechterverhältnis das Kino jahrzehntelang durchgekommen ist.  (Was macht Heidi Klum in "Ocean's 8"? Fakten zum Filmstart)

"Ocean's 8": Symbolfilm der Gender-Debatte 

Mit großem Abstand folgt nun ein weiterer „Ocean’s“-Film, in dem alles anders ist: Danny Ocean ist eingeäschert; den genialen Coup plant seine Schwester Debbie – und zum Team gehören diesmal weder Brad Pitt noch Casey Affleck , sondern Stars wie Cate Blanchett, Rihanna und Helena Bonham-Carter. Als weiblicher Ensemble-Film bekommt die eigentlich auserzählte Reihe noch mal einen neuen Dreh. Und nicht nur das: Sie bedient auch wunderbar den sich wandelnden Zeitgeist.

Schließlich diskutiert Hollywood gerade nicht nur über sexuelle Übergriffe, sondern auch über gleiche Gagen, das Rollenangebot für Frauen und mehr Arbeit für Regisseurinnen. Immer wieder flankieren Symbolfilme die Debatte, mit wechselndem Erfolg: „Ghostbusters“ (2016), ein Remake mit weiblichem Ensemble, scheiterte an der Kasse. Gal Gadots „Wonder Woman“ (2017) dagegen schlug mit dem erfolgreichsten Start einer Superhelden-Reihe männliche Kollegen wie „Spider-Man“ , „Deadpool“ und „Iron Man“. (Um ihrerseits vom ersten schwarzen Superhelden „Black Panther“ übertroffen zu werden: Auch andere vernachlässigte Gruppen beweisen derzeit ihre Marktmacht.) (Warum ist "Black Panther" wichtig? Mehr zum Film)




Tun wir's für die achtjährigen Mädchen!

Debbie Oceans genialer Plan besteht darin, ein 150-Millionen-Dollar-Collier erst an den Hals einer Hollywood-Schönheit zu schleusen – um es dann auf New Yorks wichtigstem Gesellschaftsereignis , der Met Gala, von genau diesem Hals wieder abzupflücken. Wie in der Originalreihe ist die Bereicherung nur eine Nebensache: Debbie hat wie ihr Bruder etliche weitere Anliegen – vom Spaß an der sportlichen Herausforderung bis zur Rache am Mann, der sie in den Knast gebracht hat. Vor allem aber teilt die Meisterdiebin ausdrücklich das Anliegen des Films: „Ihr macht das nicht für euch und nicht für mich“, sagt sie in der Motivationsrede an die Komplizinnen. „Irgendwo da draußen liegt ein achtjähriges Mädchen im Bett und träumt davon, eine Kriminelle zu werden. Tun wir’s für sie!“ (Sandra Bullock glaubte nicht, dass "Ocean's 8" gedreht wird)

Was sind denn nun die neuen Rollenbilder?

Recht hat sie! Genau darum geht es ja bei der Forderung nach mehr Frauen, Schwarzen und überhaupt mehr Diversität auf der Leinwand: Jeder soll im Kino das Recht haben, sich selbst in allen erdenklichen Rollen zu erleben. Leider bleibt es in „Ocean’s 8“ bei der guten Absicht. Der Film, für den Soderbergh die Regie an Gary Ross („Die Tribute von Panem“) abgegeben hat, holt seine Protagonistinnen aus weiblichen Mustern ab, um ihnen nach dem Coup die Selbstverwirklichung zu gewähren: Zu den gelungeneren Figuren gehört dabei Tammy (Sarah Paulson), die als Hausfrau und Ebay-Hehlerin von Anfang an interessant ist. Amita (Mindy Kaling), die sich mit der Beute von der indischen Traditionen emanzipiert, gerät schon schematischer. Das verblüffendste Finale bekommt Lou: Die nimmt sich mit ihrem Millionen eine Auszeit von der Schnapspanscherei und reist mit der Harley durch die Staaten. Cate Blanchett verwirklicht die Midlife-Crisis-Fantasie deprimierter Männer – das soll der kriminelle Traum achtjähriger Mädchen sein?

Wo bleibt der Spott, Debbie Ocean?

„Ocean’s 8“ strotzt von intelligenten und humorvollen Superstars, die Jahrzehnte in Hollywoods Männerwelt hinter sich haben. Angesichts einer solchen Besetzung hätte man mehr Wut und Spott erwartet, als der Film am Ende bietet. Zumal die Tür zur Selbstironie im zentralen Twist um das Leinwand-Dummchen weit aufgestoßen wird. Wie rücksichtslos Hollywood sich inzwischen selbst veralbern kann, zeigen derzeit die „Deadpool“-Filme. Die Detailverliebtheit und Anarchie, mit der dort über die eigenen Routinen gelacht wird, sucht man in „Ocean’s 8“ vergebens. Der Gaunerfilm ist nurgut gemeint und nett gemacht – als Beitrag zur Gender-Debatte genauso wie als Neubelegung einer Erfolgsreihe.

„Ocean’s 8“, USA 2018. R: Gary Ross. D: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway,. 110 Minuten, keine Altersbeschränkung. Filmstart: 21. Juni 2018.


Fünf aus acht: Sandra Bullock, Sarah Paulson, Rihanna, Cate Blanchett, Awkwafina in "Ocean's 8". Foto: Warner Bros./Barry Wetcher



Die "Ocean's 11"-Filme

Der Tresor-Knacker Danny Ocean ist einer der erfolgreichsten Helden von Heist- oder Caper-Filmen. Die Wörter bezeichnet ein Subgenre des Gangster-Films, bei dem es um Planung und Ablauf genialer Coups geht. 1960 spielte Frank Sinatra die Rolle zum ersten Mal in Lewis Milestones "Ocean's 11". Ab dem Jahr 2001 folgte George Clooney und Brad Pitt in einer Trilogie, mit der Regisseur Steven Soderbergh über eine Milliarde Dollar einspielte. Bei "Ocean's 8" ist er nur noch als Produzent im Boot. Zum ersten Mal arbeitet die Reihe in der Komödie mit einem komplett weiblichen Cast.

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