Kommentar: Theaterproduktivität Zeit für letzten Schliff

Von Christine Adam

Erfahrener Theatermann: Johan Simons posiert in Bochum in der Jahrhunderthalle. Foto: dpaErfahrener Theatermann: Johan Simons posiert in Bochum in der Jahrhunderthalle. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist gut, dass Johan Simons mit seiner hohen Kompetenz als Regisseur und seiner Erfahrung als Leiter großer Festspiele es so deutlich sagt: Es wird zu viel produziert an deutschen Theatern. Es stimmt, dass das oft zulasten der Qualität geht – ein Kommentar.

Hier und da ist einfach nicht zu übersehen, dass nach zu knapper Probenzeit mit gleichsam quietschenden Reifen der Premierenabend angefahren wird. Tolle Regie-Ideen und gut geführte Schauspieler, aber zu wenig Spielökonomie während der Aufführungsdauer: Ein paar Proben mehr hätten den Abstand und den ruhigen Blick von außen ermöglicht, um Unwuchten zu beseitigen.

Die Bühnen haben sich den hohen Ausstoß selbst verordnet. Im Kampf um ihre Existenz und gegen die Kritik auch von der Politik rangen sie um mehr Eigeneinnahmen, um neue Publikumsschichten, höhere Auslastungszahlen und stärkere öffentliche Wahrnehmung. Hektische Betriebsamkeit ist aber der Feind von ausgereifter Kunst.

Die Produktivität an Theatern muss nun nicht wieder ganz erlahmen. Zuschauer würden es aber dankbar aufnehmen, wenn einigen Inszenierungen die Zeit für den letzten Schliff zugestanden wird.


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