„Revolution & Architektur“ Wie Osnabrücker Zimmerpflanzen zu Kunstwerken erheben

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Osnabrück. Die selbst gezogene Kastanie des vierjährigen Mathis ist ein echtes Kunstwerk – und das wörtlich. Der Setzling wird mit weiteren Zimmerpflanzen ein Teil der Ausstellung „Revolution & Architektur“ in der Kunsthalle Osnabrück.

Mit einem extra großen Schwall Wasser aus der Gießkanne verabschiedet sich Mathis von seiner Kastanie, die nun für einige Zeit das Foyer der Kunsthalle zieren wird. Mathis brauchte etwas Bedenkzeit, bevor er entschied, die Pflanze zu verleihen, berichtet sein Großvater Gerhard Schengber. Damit aus dem noch zarten Gewächs einmal ein großer Baum wird, kümmert sich der Vierjährige nämlich höchstpersönlich um dessen Wohlergehen. „Ein bis zweimal die Woche ist Mathis bei mir zu Besuch und gießt“, sagt Gerhard Schengber.

Enkel und Großvater verbindet das zierliche Grün. Vor etwa einem Jahr hatte Mathis die Kastanienfrucht gefunden, „in einem Sandkasten“, wie er erzählt. Zusammen mit seinem Großvater pflanzte er sie ein und pflegt den entsprungenen Setzling seitdem regelmäßig.

Aufruf der Kunsthalle

Großvater Gerhard erfuhr von einer Mitarbeiterin der Osnabrücker Kunsthalle von dem geplanten Kunstprojekt. Er wollte sich gerne beteiligen, doch mit Ausnahme von Mathis‘ Kastanie fehlte es ihm an Zimmerpflanzen. So fragte er seinen Enkel, der einer Leihgabe zustimmte. „Es war sein eigener Wunsch“, sagt Gerhard Schengber.

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Die Kastanie wird nun Teil einer Pflanzenlandschaft mit dem Titel „Kurie“ im Foyer der Kunsthalle. Der Künstler Christoph Faulhaber arrangiert sie als einen Aspekt seiner Ausstellung „Revolution & Architektur“ vom 15. Juni bis 21. Oktober. Die Kunsthalle hatte öffentlich Osnabrücker dazu aufgerufen, ihre Zimmerpflanzen dafür leihweise zur Verfügung zu stellen. „Die Resonanz ist gut“, sagt Anne Haunhorst, die das Pflanzenprojekt betreut. „Wir haben schon 30 bis 40 Pflanzen, und es kommen noch welche dazu.“

„Rapunzel und der Schrank“

Egal ob kleiner Kaktus oder Zwei-Meter-Palme, jede Pflanze erhält auf Wunsch ein Etikett, auf dem ihr „Rufname“ verzeichnet wird. „Die Leute werden richtig kreativ und überlegen sich was“, sagt Haunhorst. Eine Leihgeberin stellt etwa ihre „Rapunzel und der Schrank“ zur Verfügung – ein vergleichsweise zartes Pflänzchen, wo doch der Name eher auf stämmiges Grün schließen lässt.

„Rapunzel und der Schrank“. Foto: David Hausfeld

Als Dankeschön für die Leihgabe vergibt die Kunsthalle einen Leihvertrag sowie ein vom Künstler handsigniertes Etikett, dass als Platzhalter für den Heimatplatz fungiert. „Die Bürger freuen sich, dass sie ihre Pflanzen zu Kunstwerken erheben können“, erklärt Anna Bittner, die das Projekt ebenfalls begleitet. „Das ist wie im Museumskontext.“ Wenn dort Bilder verliehen werden, weise auch ein Schild auf die Abwesenheit hin.

Obendrauf erhalten Leihgeber einmalig freien Eintritt zur Ausstellung, damit sie ihre Kunstobjekte als Teil der Landschaft bestaunen können. Auch Mathis will regelmäßig mit seinem Großvater nach seiner Kastanie sehen.


„Revolution & Architektur“ von Christoph Faulhaber wird am 15 Juni eröffnet. Die Ausstellung kann bis zum 21. Oktober in der Kunsthalle Osnabrück, Hasemauer 1, besucht werden.

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