Der wöchentliche Silberblick So viele Knöllchen müssten Paketzusteller eigentlich kassieren

Von Joachim Schmitz

Manchmal verstellen sich die Lieferwagen der Zustelldienste gegenseitig den Weg. Foto: dpaManchmal verstellen sich die Lieferwagen der Zustelldienste gegenseitig den Weg. Foto: dpa

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um Paketzusteller, die mit ihren Lieferwagen Bürgersteige, Radwege und Straßen zustellen und eigentlich jede Menge Knöllchen kassieren müssten.

Das Bild kennt jeder Verkehrsteilnehmer, und fast jeder hat sich schon mal darüber geärgert: Ein eiliger Paketzusteller hatte mal wieder keine Zeit für die Parkplatzsuche und seine Kiste abgestellt, wo gerade Platz war. Jetzt steht er da auf dem Bürgersteig, dem Radweg, im Halteverbot oder in zweiter Reihe parkend auf der Straße. Zustellung im wahrsten Sinne des Wortes: Er behindert Fußgänger, Radler und andere Autofahrer, irrlichtert mit einem Paket unter dem Arm auf der Suche nach einer Adresse durch die Straße oder ist auf unabsehbare Zeit in irgendeinem Treppenhaus verschwunden.

Fest steht: Auslieferungsfahrer haben zwar einen Führerschein, nicht aber die Lizenz zum Falschparken. Jedes Mal, wenn sie es tun, begehen sie ein Straßenverkehrsdelikt, das eigentlich geahndet werden müsste. Fest steht aber auch: Wir sind alle nicht ganz unschuldig daran – zumindest diejenigen von uns, die mittlerweile jedes Buch, jede Socke und jeden Schokoriegel im Internet bestellen und sich das ganze Zeugs dann nach Hause liefern lassen.

Knöllchen für 1440 Euro täglich

Aber stellen wir uns doch mal die Frage „Was wäre, wenn…? Wenn es für jedes Falschparken ein Knöllchen über 30 Euro hageln würde? Nehmen wir an, so ein Auslieferungsfahrer arbeitet acht Stunden am Tag und bringt pro Stunde acht Sendungen zum Kunden, wobei er sechsmal falsch parkt. Damit würde er bis zum Feierabend 48 Knöllchen sammeln. Macht bei 30 Euro pro Strafzettel stolze 1440 Euro am Tag. So viel verdient ein Paketzusteller in der ganzen Woche nicht!

Aber so weit wird’s natürlich nicht kommen, die Fahrzeuge der Zustelldienste werden uns weiterhin ungestraft den Weg versperren. Geschenkt.

Aber wenn ich das nächste Mal zur Kasse gebeten werde, weil ich mit dem Rad im Schritttempo durch die Fußgängerzone gerollt bin, ohne irgendjemanden zu behindern oder gar zu gefährden – dann werde ich pampig.

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