Ein Meilenstein wird 30 Jahre alt „Suffer“ von Bad Religion: Als Punk melodisch wurde

Singen statt schreien: Greg Graffin, Sänger der Punkrockockband Bad Religion, und Gitarrist Brian Baker. Foto: Thomas Frey/dpaSingen statt schreien: Greg Graffin, Sänger der Punkrockockband Bad Religion, und Gitarrist Brian Baker. Foto: Thomas Frey/dpa

Osnabrück. Vor 30 Jahren veröffentlichte die US-amerikanische Punkband Bad Religion ihr Album „Suffer“. Die Band brachte damit Melodie und Harmonie in den amerikanischen Punkrock – eine Revolution, die bis heute nachklingt.

Schnelle Riffs, aggressiver Gesang und energische, bisweilen gewalttätige Konzerte – Anfang der 1980er bestimmen Hardcore-Bands wie Black Flag, Minor Threat oder Bad Brains die Punkszene der USA. „How Could Hell Be Any Worse?“ („Wie könnte die Hölle schlimmer sein?“) fragt 1982 in dieser Tradition das erste Studioalbum der kalifornischen Band Bad Religion (böse Religion). Doch bereits ein Jahr später haben die Musiker um Sänger Greg Graffin und Gitarrist Brett Gurewitz, die maßgeblich für das Schreiben der Bad-Religion-Songs verantwortlich sind, genug von Stakkato-Drums, sägenden Gitarren und Unter-zwei-Minuten-Songs.

Der Nachfolger „Into The Unknown“ („Hinein ins Unbekannte“) bricht vollends mit den gängigen Konventionen der Szene – und mit den Fans. Statt gewohnt kurzen, schnellen Hardcore-Songs erwarten den Hörer ausschweifende, psychedelische und keyboardlastige Stücke. Die Fans sind verärgert; „Into The Unknown“ wird zu einem gescheiterten Experiment, das Bad Religion erst 1985 mit der EP „Back To The Known“ („Zurück zum Bekannten“) wettmachen.

„Uuhs“ und „Aahs“

Mit ihrem dritten Studioalbum „Suffer“ schaffen es Bad Religion 1988 schließlich, sich essenziell von anderen Punkbands abzuheben, ohne die Szene gegen sich aufzubringen. Noch immer liegen den Songs die klassischen Elemente des Hardcore-Punk zugrunde. Sie sind kurz und laut, werden getragen von schnellen Akkordwechseln und Drumschlägen, die durch die Takte poltern wie ein Uhrwerk. Doch statt aggressivem Gekeife dominiert Sänger Greg Graffin plötzlich mit klarem, melodischem Gesang. Unterstützt wird er von Backroundvocals mit mehreren Stimmen, ja sogar ganzen Chören die harmonische „Uuhs“ und „Aahs“ über Powerchord-Gitarren heben.

„Suffer“ erscheint auf dem eigenen Plattenlabel Epitaph Records von Bad-Religion-Gitarrist Brett Gurewitz und enthält nicht nur musikalisch das, was Bad Religion die nächsten dreißig Jahre ausmachen wird, sondern auch textlich. Graffin, heute promovierter Evolutionsbiologe, äußert sich sozial-, gesellschafts- und religionskritisch. Während aber viele Kollegen auf Provokation und Parolen setzen, sind Graffins Texte, dessen Bühnenpräsenz selber häufig an einen Prediger erinnert, eher lyrisch und geprägt von politischen wie philosophischen Theorien.

Mit ihrer Mischung aus melodischem Gesang und Hardcore-Fundament beeinflussen Bad Religion zahlreiche Bands bis heute, darunter kommerziell erfolgreiche Künstler wie Green Day, die ehemalige Epitaph-Band The Offspring und auch deutsche Vertreter wie Beatsteaks oder Donots.


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