„Ist das Müll oder kann das Kunst?“ Die aktuelle Ausstellung auf Schloss Iburg

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Bad Iburg. Diese Ausstellung ist das Schaufenster für den künstlerischen Nachwuchs: Im Schloss Iburg wird die 13. Ausgabe von „Alte Apotheke – Neue Kunst“ gezeigt. Blanke Routine? Nein. Die aktuelle Ausgabe macht das Format so sehenswert wie seit Jahren nicht mehr.

„Ist das Müll oder kann das Kunst?“ Aus weggeworfenen Zeitungen collagiert Hannah Siefer ihre Bilder. Und sie treibt selbstbewusst ihr Wortspiel mit dem flapsigsten Spruch über aktuelle Kunst. „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Der Buchtitel schaffte es in den Alltagswortschatz. Die Studentin vom Fach Kunst der Universität Osnabrück lässt sich von solch forscher Abrechnung in einem Satz nicht beeindrucken. Sie macht aus Müll wirklich gute Kunst. Hier weiterlesen: So war die Ausstellung 2017 auf Schloss Iburg.

Etablierte Position

Ihre Bilder gehören zur neuen Jahresausstellung am Sitz des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. Eine etablierte Position, dazu Werke von Studierenden der Osnabrücker Uni: Nach diesem Prinzip funktioniert auch die mittlerweile 13. Ausgabe des Ausstellungsformats. Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes, hat die Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer für die Präsentation im Erdgeschoss der alten Hofapotheke gewinnen können. In den Etagen darüber und im Residenzflügel des Schlosses sind rund 35 Werke von zehn Studentinnen zu sehen, die von Sigrun Jakubaschke-Ehlers, Professorin für Malerei an der Uni, ausgewählt wurden. Hier weiterlesen: Zum Jubiläum - so war die zehnte Ausstellung auf Schloss Iburg.

Alltägliche Mittel

Jakubaschke-Ehlers hat die Werke der Studierenden mit dem Ausstellungstitel „Parallelwelten“ belegt. Hiltrud Schäfer nennt ihre Präsentation mit acht Bildern „Spiel-Felder“. Beide Titel klingen nach beliebiger Kunstprosa. Wie gut nur, dass die ausgestellten Werke weitaus präziser und aussagekräftiger als diese Überschriften geraten sind. Dabei geht es nicht nur um die Kunst, mit alltäglichen Mitteln sehenswerte Kunstwerke zu machen. Die versammelten Künstlerinnen – im zweiten Jahr hintereinander ist kein Mann dabei – scheinen auf den ersten Blick kein gemeinsames Thema zu bearbeiten. Und dennoch geht es in ihren meist abstrakten Arbeiten um eine zentrale Frage, nämlich die nach der Doppelbödigkeit von Wirklichkeit. Hier weiterlesen: „Sammlung im Dialog“ - neue Ausstellungsreihe in Osnabrück.

Zerknülltes Packpapier

Hiltrud Schäfer hat für Bad Iburg ganz neue Werke produziert. Für ihre raffiniert komponierten Bilder verwendet sie gestauchte Papiertüten und zerknülltes Packpapier als Material. Sie collagiert das sensibel mit warmen Farbtönen besetzte Material zu malerisch wirkenden Bildern voller Poesie. Jede Arbeit will als eigene Welt erkundet werden. Hiltrud Schäfers Bilder intonieren einen Ton, der durch die ganze Ausstellung klingt. Wer, von ihren Werken ausgehend, die weiteren Räume erkundet, schaut mit sensiblerem Blick als zuvor. Zum Beispiel auf die abstrakten Kompositionen von Alina Efken, die mit ihren Bildern Gestalten der antiken Mythologie neu zur Erscheinung bringen will. Oder auf Madlin Freeses bewusst unscharfe Porträts, mit denen sie danach fragt, inwieweit Menschen einander wirklich erkennen können. Hier weiterlesen: Nächstes „Sommerflimmern“ startet.

Analysierender Blick

Die Künstlerinnen bauen ihre Bildwelten als Versuchsanordnungen für den analysierenden Blick. Denn immer wieder geht es um die Frage, wie sicher der Bezug auf Realität überhaupt sein kann. Dabei spielen Erfahrungen mit digitalen Medien, ihrer Komplexität und Formbarkeit, unübersehbar eine Rolle. Marie Fink lädt zu Reisen in mikroskopisch kleine Welten ein, Aileen Villwock entwirft mit ihren gespachtelten Bildoberflächen Räume von irritierender Tiefenwirkung. Annika Leißner, Franziska Schmitz, Sina Schwirtz und Grietje Strenge steuern weitere Arbeiten zu einer sehenswerten Ausstellung bei.


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