Projekt der Uni Osnabrück Wie reagieren Kulturbetriebe auf die Migration?

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Lachen befreit: Zehn Geflüchtete aus drei Ländern brachten ihre Erfahrungen mit Obrigkeit und Behörden auf die Limberg-Bühne des Theaters Osnabrück im selbst earbeiteten Stück „Der Hauptmann von O. – Eine Köpenickiade“. Foto: Uwe LewandowskiLachen befreit: Zehn Geflüchtete aus drei Ländern brachten ihre Erfahrungen mit Obrigkeit und Behörden auf die Limberg-Bühne des Theaters Osnabrück im selbst earbeiteten Stück „Der Hauptmann von O. – Eine Köpenickiade“. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Forscher der Universität Osnabrück untersuchen bundesweit, wie sich die Migration auf Kultureinrichtungen auswirkt vom Theater Osnabrück bis zum Hygienemuseum in Dresden.

Relativ schnell haben Flüchtlinge seit der großen Zuzugswelle von 2015 aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern den Weg in die Kultur gefunden und sind in Musik, Theater, Kunst, Literatur oder anderen Sparten aktiv präsent. Doch wie und wie nachhaltig Kultureinrichtungen sie und andere Zuwanderer integrieren, ist bislang kaum bekannt. Dem soll jetzt ein Projekt der Universität Osnabrück abhelfen. Forscher wollen untersuchen, wie Theater, Museen, Kulturpolitik und freie Kulturszene auf den gesellschaftlichen Wandel durch Migration reagieren. Dazu nehmen sie sich Einrichtungen in Osnabrück, Hamburg, Sindelfingen und Dresden vor, etwa das Osnabrücker Theater am Domhof, das Hamburger Thalia-Theater, das Hygiene-Museum in Dresden und die Kulturämter der vier Städte.

Institutioneller Wandel im Blick

„Im Zentrum unseres Interesses steht der institutionelle Wandel und nicht einzelne Kulturprojekte“, betont Projektkoordinator Jens Schneider vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) mit Blick auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn und der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. Diese Studie „Kunst in der Einwanderungsgesellschaft“ stellt zwölf bundesweite interkulturelle Projekte vor.

„Der gesellschaftliche Wandel wird offensichtlich“, sagt Schneider weiter, „wenn von 80 Schulkindern nur noch 10 bis 15 Muttersprachler sind.“ Lehrer müssten darauf reagieren und interkulturelle Kompetenzen erwerben. „Doch wie verhalten sich Kulturinstitutionen wie Theater oder Museen, können sie weiter wie bisher einen bildungsbürgerlichen Kanon abarbeiten?, fragt er. Über das Programm hinaus werde untersucht, wie sich gesellschaftliche Vielfalt auch im Publikum und bei der Personalbesetzung niederschlage.

Das auf drei Jahre angelegte IMIS-Projekt wird vom Bundesforschungsministerium mit knapp einer Million Euro gefördert. Von der Kulturpolitik gehe damit ein gewisser Druck auf Kultureinrichtungen aus, etwas zu verändern, meint Schneider.

Orte verschiedener Größen

Die vier Orte repräsentieren nicht nur verschiedene Größen und geografische Lagen, sondern böten sich auch durch Vorarbeiten und bestehende Kontakte an. Ethnologe Schneider hat viel über Diversität und Einwanderungsaspekte auch in Hamburg veröffentlicht, etwa am Projekt „Integration und Vielfalt in Sindelfingen“ mitgewirkt und verfügt gute Kontakte zum Staatsschauspiel und Hygienemuseum Dresden.

Vier Forscher arbeiten ab sofort federführend für je einen Standort und ein Thema und hoffen, in rund einem halben bis dreiviertel Jahr erste Ergebnisse präsentierten zu können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN