Mobbing-Vorwürfe bestritten Intendant Bachmann wehrt sich gegen Anschuldigung

Von dpa

Verteidigt die Arbeitsatmosphäre an seinem Haus: Stefan Bachmann, Intendant des Schauspiel Köln. Foto: dpaVerteidigt die Arbeitsatmosphäre an seinem Haus: Stefan Bachmann, Intendant des Schauspiel Köln. Foto: dpa

Köln. Der Kölner Schauspiel-Intendant Stefan Bachmann hat Mobbing-Vorwürfe bestritten. „Warum werden mit viel Aufwand Zerrbilder produziert, die nicht die offene, die kreative, die respektvolle Arbeitsatmosphäre bei uns am Haus wiedergeben?“, fragte er gestern in Köln.

Der Kölner Schauspiel-Intendant Stefan Bachmann hat Mobbing-Vorwürfe bestritten. „Warum werden mit viel Aufwand Zerrbilder produziert, die nicht die offene, die kreative, die respektvolle Arbeitsatmosphäre bei uns am Haus wiedergeben?“, fragte er gestern. „Und auch nicht die Professionalität und die Ernsthaftigkeit, mit denen wir hier auf hohem künstlerischem Niveau Produktionen erarbeiten, die uns und unser Publikum freuen und begeistern?“ Der 51 Jahre alte Schweizer äußerte sich in einer kurzen Erklärung zu Beginn einer Pressekonferenz zum Spielplan 2018/19. Nachfragen zu den Vorwürfen blockte er ab. „Kein Kommentar ist kein Kommentar, tut mir leid.“ Ein Schauspieler aus dem Ensemble versicherte, er sei in Köln „glücklich“ und arbeite angstfrei.

Die Mobbing-Vorwürfe werden im aktuellen „Spiegel“ von ehemaligen und aktuellen Ensemble-Mitgliedern erhoben. „Duldet der Intendant Stefan Bachmann Psychoterror gegen Schauspieler und Regisseure?“, fragt das Magazin. Die Vorwürfe richten sich gegen Bachmanns Frau Melanie Kretschmann, die in Köln als Schauspielerin und Regisseurin arbeitet. Kretschmann soll unter anderem eine Schauspielerin vor versammelter Mannschaft fertiggemacht haben. Im Ensemble werde mit Blick auf sie von einer „Schatten-Intendanz“ gesprochen. Immer wieder gerate Kretschmann in heftige und andauernde Auseinandersetzungen mit anderen Ensemble-Mitgliedern und Regisseuren. Bachmann ergreife in den Konflikten Partei für seine Frau.

Kulturdezernentin überrascht

Die Kölner Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach zeigte sich überrascht von den Vorwürfen. „In den vergangenen fünf Jahren ist nie etwas in dieser Richtung an mich herangetragen worden“, wurde sie im „Kölner Stadt-Anzeiger“ zitiert.

Der „Spiegel“ hat nach eigenen Angaben knapp 20 Personen zu dem Thema befragt. Nur zwei davon hätten Bachmann verteidigt. Ein ehemaliger Regieassistent wird mit den Worten zitiert: „Es gibt eine riesige Angstblase. Jeder fürchtet um seinen Job.“ Der Regisseur Adam Traynor spricht von einer „toxischen Atmosphäre“ und wirft Kretschmann vor, sie sei bei Proben immer wieder ausgerastet. Angela Richter, bis 2016 Hausregisseurin in Köln, spricht von einer „Atmosphäre der Angst“. Kretschmann habe wahrheitswidrig herumerzählt, ihr Lebensgefährte sei heroinabhängig. Bachmann und Kretschmann wiesen über einen Anwalt alle Vorwürfe zurück. Richter dagegen sagte dem „Spiegel“: „Irgendjemand muss das stoppen, es verfolgt uns schon seit Jahren.“ In Köln habe jeder Angst, der Nächste zu sein und aus dem Nichts angegriffen zu werden.

Offener Brief aus Ensemblel

Auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete am Montag über die Vorwürfe. Mehrere aktive und ehemalige Mitarbeiter des Schauspiels haben der Zeitung demnach gesagt, dass sie von Kretschmann gemobbt und bei Beschwerden von Bachmann ignoriert oder gemaßregelt worden seien. Einen offenen Brief des Ensembles habe Bachmann zunächst unbeantwortet gelassen. Erst ein halbes Jahr später sei er dann darauf zu sprechen gekommen, doch nur, um zu fragen, wer ihn geschrieben habe. Die künstlerische Situation am Theater sei mittlerweile „beengt und beklemmend“.

Bachmann war 2013 Nachfolger der Kölner Erfolgs-Intendantin Karin Beier geworden. Er hatte zuvor unter anderem am Deutschen Theater Berlin, am Burgtheater Wien, am Hamburger Thalia-Theater und am Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert.