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Er schrieb „Das rote Kornfeld“: China jubelt: Die Schwedische Akademie erkennt Mo Yan den Nobelpreis für Literatur zu

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Frankfurt/Stockholm. Der Literaturnobelpreis geht an den Chinesen Mo Yan. Das gab die Schwedische Akademie in Stockholm bekannt. Die Begründung: Der Autor vereine „mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart“.

Mo ist der erste chinesische Staatsbürger, dem der Literaturnobelpreis verliehen wird, nicht aber der erste Chinese. Im Jahr 2000 erhielt Gao Xingjian den Preis. Die Auszeichnung des Regierungskritikers, der die französische Staatsbürgerschaft hat, verärgerte Peking. Über die Ehrung für Mo zeigte sich die chinesische Regierung hingegen erfreut. Im Staatsfernsehen wurde die aktuelle Berichterstattung unterbrochen, um die Auszeichnung Mos bekannt zu geben.

Mo wurde 1955 als Guan Moye geboren; in seinem Werk bezieht er sich oft auf Kindheitserlebnisse. Den Durchbruch feierte er 1987 mit „Das rote Kornfeld“. Der Roman handelt von Liebe und Problemen unter der ländlichen Bevölkerung vor dem Hintergrund des chinesisch-japanischen Kriegs. Zhang Yimous Verfilmung erhielt 1988 den Hauptpreis der Berlinale. Die Akademie habe Mo vor der Bekanntgabe kontaktiert, so ihr ständiger Sekretär Peter Englund. „Er sagte, er sei überglücklich und verängstigt.“

Kaum zehn Minuten nach der Bekanntgabe ist Lucien Leitess, Chef des Schweizer Unionsverlags, an seinem Stand in der Frankfurter Messehalle zwischen Kameras und Mikrofonen nicht mehr zu sehen. Vor dem kleinen Regal mit vier Romantiteln von Mo sagt er: „Es ist ein glücklicher Moment für einen kleineren Verlag, wenn schon wieder, zum zweiten Mal, wie aus dem Nichts ein Nobelpreisträger aus unserem Haus kommt. Das ist eine schöne Fortsetzung.“ 1988 hatte Nagib Machfus (Ägypten), den Leitess ebenfalls verlegt, die renommierte Auszeichnung erhalten.

Mo Yan gehörte 2009 zur offiziellen Delegation des umstrittenen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse . Die Frage, wie die Verleger ihren Autor politisch einordnen, bestimmt auch das Medieninteresse. „Ob oppositioneller oder staatsnaher Autor, das sind journalistische Kategorien, in denen ich nicht denke“, sagt Leitess. Es sei ganz klar eine „literarische Entscheidung“, die die Schwedische Akademie getroffen habe. Mit der Schilderung grausamer Verhältnisse über weite Strecken auch in seinem Roman „Der Überdruss“ habe er viel mehr geleistet als jeder Oppositionelle, meint der Verlagsleiter. Mo Yans Romane zeugten davon, dass er der Humanität, dem Schicksals seiner Landsleute verpflichtet sei. Das tiefe ländliche China, nicht die Großstädte wie Peking, sei literarisch seine Welt, „dort, wo sich das Drama abspielt. Er weiß, was es bedeutet, ein einfaches Leben zu führen.“ Und so Leitess weiter: „Die traditionelle chinesische Literatur ist moderner, als wir gemeinhin glauben. Fantastische, irreale Elemente in der Realität spielten schon immer eine Rolle.“

Auch beim nobelpreisverwöhnten Verlagshaus Suhrkamp/Insel freut man sich: „Wir haben seinen großen Roman ‚Die Sandelholzstrafe‘ im Programm – ein wunderbares Buch“, schwärmt Insel-Geschäftsführer Jonathan Landgrebe. „Es ist ein unglaublich ungeschöntes historisches Epos. Der Titel spielt auf eine Foltermethode an, die er sehr detailreich schildert.“

Der Insel Verlag hat bisher „weit unter 10000 Exemplare“ des 2009 auf Deutsch erschienenen Romans verkauft. Dass Mo Yan hierzulande immer eine treue, kleine Leserschaft gehabt habe, bestätigt auch Leitess. Die Erwartung an den künftigen Verkauf ist bei beiden Verlagen nach dem Literaturnobelpreis nun um einiges höher. (Mit dapd)


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