Neue Bertelsmann-Studie Kunstprojekte fördern Zusammenhalt der Gesellschaft

Ein Beispiel für ein internationales Kunstprojekt: Das „Ship of Tolerance“ (hier im Stadthafen von Rostock) des russischen Künstlerehepaares Kabakov soll Menschen unterschiedlicher Kontinente und Kulturen verbinden. Foto: dpaEin Beispiel für ein internationales Kunstprojekt: Das „Ship of Tolerance“ (hier im Stadthafen von Rostock) des russischen Künstlerehepaares Kabakov soll Menschen unterschiedlicher Kontinente und Kulturen verbinden. Foto: dpa

KNA/epd Gütersloh. Kunst- und Kulturprojekte leisten einen wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Besonders bei der Integration von Einwanderern helfen sie. Doch das Potenzial in Deutschland ist noch nicht voll ausgeschöpft.

Kunst- und Kulturprojekte haben laut einer Studie einen positiven Einfluss auf den Zusammenhalt einer heterogenen Gesellschaft. „Ausstellungen, Festivals und Workshops können bei entsprechender Themensetzung politisch und gesellschaftlich grundlegende Herausforderungen verhandeln und kommunizieren“, heißt es in einer gestern in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung und der deutschen Kommission der Weltkulturorganisation Unesco (DUK). Sie böten zwar keine Lösungen für Intoleranz oder Rassismus, verbesserten aber das gegenseitige Verständnis und eröffneten einen Diskussionsrahmen.

Die Studie untersucht laut Bertelsmann anhand von zwölf Beispielen den Zusammenhang von Kunst und kultureller Vielfalt. Besonders geeignet seien Musik- oder Tanzprojekte, da sie sprachliche Hürden überwänden, heißt es. Projekte seien dann erfolgreich, wenn sie Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft und zugleich Angehörige von Migranten- und Flüchtlingsgruppen erreichten.

Ensembles vielfältiger besetzen

Auch wenn die vorgestellten Projekte allein keine Lösung für Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit bieten könnten, hätten sie doch Beispielcharakter, erklärten die Forscher. Sie setzten auf Begegnung und Verständigung von Menschen verschiedener Herkunft mit dem Ziel, langfristig ein Bewusstsein für Deutschland als Einwanderungsland zu schaffen. Auch der etablierte Kulturbetrieb und sein Publikum müssten sich weiter öffnen, forderte der Sozialwissenschaftler Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung. Er sprach sich etwa dafür aus, Ensembles vielfältiger zu besetzen.

Deutschland sei ein weitgehend weltoffenes und vielfältiges Land, in dem Menschen aus rund 200 Ländern mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen und Wertvorstellungen zusammenlebten, heißt es weiter. Künstlerische Aktivitäten trügen dazu bei, das Miteinander und die kollektive Identität zu reflektieren und zu gestalten. Dabei finde auch eine Auseinandersetzung mit Konflikten statt.

Die Stiftung spricht sich dafür aus, das Angebot der öffentlich geförderten Kunst- und Kultureinrichtungen weiter auszubauen. Zudem sollten Künstler mit Migrationshintergrund gefördert werden. Beides gelinge nur mit langfristig angelegten Förderstrukturen. Oft seien Kunstprojekte nur temporär, geben die Studienmacher zu bedenken.

Brücken bauen

„Mehr Mut zu Vielfalt lohnt sich: für die Kultureinrichtungen, für das Publikum und vor allem für die Gesellschaft“, sagte der Bertelsmann-Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Kai Unzicker. Künstlern gelinge es, in einer Einwanderungsgesellschaft „Brücken zu bauen und an einem neuen gemeinsamen Wir-Gefühl mitzuwirken“, so die stellvertretende Stiftungsvorsitzende Liz Mohn. Auch die Präsidentin der DUK, Verena Metze-Mangold, betonte die wichtige „Rolle von Kunst und Kultur für ein friedliches Zusammenleben in Vielfalt“. Die Leiterin des Fachbereichs Kultur der Deutschen Unesco-Kommission, Christine M. Merkel, mahnte bessere finanzielle Rahmenbedingungen an. Öffentlich geförderte Kultureinrichtungen brauchten zur Planungssicherheit langfristig angelegte Förderstrukturen. Merkel forderte, vorhandene interkulturelle Kulturangebot in den Kommunen auszubauen und Künstler mit Migrationshintergrund systematisch zu fördern. „Es geht nicht nur um Kunst für Migranten, sondern auch um Kunst von und mit Migranten“, betonte die Unesco-Fachfrau.