Wandmalerei auf Zeit Ernst Caramelle gestaltet Raum im Marta Herford

Von Dr. Stefan Lüddemann

Der Rahmen entpuppt sich als Durchbruch: Ernst Caramelle macht aus Kunst ein Spiel mit doppeltem Boden. Foto: Hans SchröderDer Rahmen entpuppt sich als Durchbruch: Ernst Caramelle macht aus Kunst ein Spiel mit doppeltem Boden. Foto: Hans Schröder

Herford. Seine Kunst ist abwaschbar: Ernst Caramelle hat im Herforder Museum Marta eine neue Wandmalerei auf Zeit installiert. Mit dem Werk fragt der Maler: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Das Rot leuchtet mild wie Terrakotta. Das Blau und das Gelb strahlen in reinster Morgenfrische. Und rings um diese schwebend leichten Farbwunder legt sich ein Rechteck wie ein Rahmen, der die Kunst fein säuberlich einhegt. So weit, so übersichtlich? Natürlich nicht, wenn der Künstler Ernst Caramelle heißt. Keine Angst, die Begegnung mit seinen Werken tut nicht weh. Dafür kippt sie die routinierte Wahrnehmung aus ihren Arretierungen. Diese Wirkung mag von jeder Kunst erwartet werden, die ihren Namen verdient. Aber nur wenige Künstler inszenieren das neckische Spiel mit der Wahrnehmung so luftig-leicht wie Caramelle. Hier weiterlesen: An der Grenze der Scham - Körperkunst im Museum Marta.

Mit dem Schwamm

Sein Markenzeichen sind die mit dem Schwamm aufgetragenen Wandmalereien, die nur für die Dauer einer Ausstellung an ihrem Ort bleiben. Im Herforder Museum Marta hat er ein Werk geschaffen, das auf den ersten Blick harmlos wirkt. Ein Wandbild auf der Stirnseite des Ausstellungsraumes – na, und? Wer sich nähert, verliert allerdings schnell seine Sicherheit. Neue, bislang nicht wahrgenommene Farbfelder schieben sich in den Blick, der Rahmen entpuppt sich als Wanddurchbruch. Das Bild findet sich auf der Wand dahinter. Spiegel sorgen für irritierende Verdopplungen. Hier weiterlesen: Kunststars im Gespann - Museen setzen auf Konflikt.

„Very angenehm“

Kunst hängt nicht an der Wand, sie entsteht im Kopf des Betrachters. Und dort verändert sich ihr Aussehen permanent. Auf diesen Punkt will Ernst Caramelle hinaus. Ob das immer „very angenehm“ ist, wie der salopp formulierte Ausstellungstitel verspricht? Der österreichische Maler, der an der Kunstakademie Karlsruhe lehrt, inszeniert auch seine Herforder Wandarbeit als Versuchsanordnung für den Betrachter, der das Geschiebe der Farbflächen zu einem Gesamtbild ordnen will und bei diesem Vorhaben scheitert. Je nach Blickrichtung ändert sich das Bildgefüge. Hier weiterlesen: Picasso, Renoir, Matisse - Maler an der Cote d´Azur.

Auf der Documenta

Caramelles Werke heben sich mit ihrer unaufgeregten Eleganz angenehm von jener dozierend strengen Thesenkunst ab, die derzeit das Ausstellungsgeschehen prägt. Caramelle hatte seinen Documenta-Auftritt 1992 unter der Leitung von Jan Hoet, dem Gründungsdirektor des Marta. Dessen aktueller Direktor Roland Nachtigäller war seinerzeit Hoets Mitarbeiter. Ernst Caramelle hatte also keinen weiten Weg nach Herford.