„Aus finanziellen Gründen“ Von der Heydt-Museum sagt Frankreich-Ausstellung ab

Von Dr. Stefan Lüddemann


Wuppertal. Wieder eine schlechte Kulturnachricht aus Wuppertal: Das Von-der-Heydt-Museum hat seine für den Herbst 2018 geplante Ausstellung „Aufbruch zur Freiheit“ über die Zeit der Aufklärung abgesagt. Es fehlt das Geld. Das sieht die gemeinnützige Museums-GmbH jedenfalls so. Dabei hatte das Haus in den letzten Jahren mit seinen Ausstellungen hohe Besucherzahlen erzielt.

„Natürlich bin ich enttäuscht. Ich habe drei Jahre lang an der Ausstellung gearbeitet“, kommentierte Museumsdirektor Gerhard Finckh auf Anfrage die Entscheidung, deren Titel „Aufbruch zur Freiheit“ auf dem Hintergrund der Absage nun nach bitterer Ironie klingt. Das große kulturhistorische Panorama über „Frankreich im 18. Jahrhundert“, so der zweite Teil des Untertitels, sollte neben Gemälden auch Objekte wie Landkarten, Waffen, Gewänder, Möbel und andere Exponate mehr enthalten. Ziel der Ausstellung sei es gewesen, mit dem Zeitalter der Aufklärung in Frankreich die große europäische Bewegung zur Moderne zu zeigen, erläuterte Finckh das Konzept. Hier weiterlesen: Kunststars im Gespann - Museen setzen auf Konflikt.

Stiftung wollte helfen

„Der Vorstand der Von der Heydt-Museums gGmbH haben der Ausstellung nicht zugetraut, genügend Besucher anzuziehen, um am Ende für das Projekt eine schwarze Null zu schreiben“, sagte Finckh weiter zu der Entscheidung. Dabei habe die Jackstädt-Stiftung bereits „einen sehr erheblichen Betrag“ zur Finanzierung zugesagt. Nach den Worten des Museumsdirektors lag die Zielmarke bei der Besucherzahl bei 50000, um das Projekt auch finanziell erfolgreich abzuschließen. In der Museums-GmbH sind neben der Jackstädt- und der Brennscheidt-Stiftung und dem Kunst- und Museumsverein der Kulturdezernent und der Kämmerer als Vertreter der Stadt im Beirat vertreten. Wuppertal kam in den letzten Jahren mit schlechten Nachrichten aus der Kultur in die Schlagzeilen. Dazu gehörten die Schließung des Schauspielhauses und ein deutlicher Sparkurs an den Bühnen. Hier weiterlesen: Picasso, Renoir, Matisse - Maler an der Cote d´Azur.

Louvre und Versailles

Für die jetzt abgesagte Ausstellung waren bereits Exponate von rund 30 Leihgebern eingeworben. „Es wäre eine prächtige Bilderparade mit Werken von Watteau, Boucher, Fragonard und anderen Künstlern geworden“, sagte Gerhard Finckh. Zu den Leihgebern hätten unter anderem die Schlösser von Versailles und der Pariser Louvre gehört. Mit dem Konzept einer kulturhistorischen Präsentation sollte den Angaben zufolge „ein neues Ausstellungsmodell“ an dem Wuppertaler Museum etabliert werden. Hier weiterlesen: Vor 175 Jahren gestorben - der Impressionist zwischen Hass und Bewunderung.

Hohe Besucherzahlen

Die Absage der Ausstellung überrascht um so mehr, als das Von-der-Heydt-Museum im letzten Jahrzehnt mit großen Publikumsausstellungen weithin eine neue Beachtung gefunden hatte. Gerhard Finckh brachte das Kunststück fertig, mit begrenzten Mitteln seit 2006 eine Serie von Ausstellungen der großen Impressionisten in Wuppertal zu zeigen. Höhepunkt war 2008/2009 die erste deutsche Retrospektive zum Gesamtwerk von Claude Monet, die von rund 300000 Besuchern gesehen wurden. Diese Besucherzahl markiert bis heute den Besucherrekord des Museums für eine Ausstellung. Weitere Präsentationen galten unter anderem den Künstlern Camille Pissarro, Edouard Manet, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas und Auguste Rodin, die jeweils rund 100000 Besucher begeisterten. Finckh inszenierte unter anderem ebenfalls große Präsentationen zu Peter Paul Rubens und der Kunstsammlung des Mäzens Eduard von der Heydt. Hier weiterlesen: Kunstmäzen und Lebensreformer Eduard von der Heydt - eine Spurensuche.