Die nackte Wirklichkeit CD von Lilly Wood and The Prick

Von Verene Reygers


Hamburg. Die Franzosen von Lilly Wood and The Prick bewegen sich souverän zwischen analog und elektronisch mit ihrem zweite Album „The Fight“

Die Musiker Nili Hadida und Benjamin Cotto arbeiten mit doppeltem Boden, aber ohne Sicherheitsnetz. Nicht nur klingt ihr Bandname vermeintlich nach einer liebenswerten Singer/Songwriterin, auch ihr Sound setzt nur vordergründig auf leichtfüßigen Indiepop. Denn das französische Duo schrubbt so lange an der Oberfläche der Realität, bis aller Glanz verloren und die nackte Wirklichkeit zu sehen ist. Musikalisch positionieren sie ihren Sound mit Keyboards, tumben Gitarren und souveränen Drum-Beats zwischen analog und elektronisch. Bewegung ist das durchgängige Motiv auf diesem Album. In „Le Mans“ treibt die Melodie den Refrain munter vor sich her, „Long Way Back“ breitet sich atemlos als endlos weite Strecke vor Sängerin Nili Hadida aus, die sie wie mühelos meistert. Besser noch als auf die Straße passen Lilly Wood and The Prick auf die Tanzfläche. Kaum ein Song kommt ohne zündende Zehenwackler aus, und selbst das wehmütige „Let’s Not Pretend“ trägt noch das glitzernde Make-up der vergangenen Partynacht. Schließlich geht es um das wenig schmeichelhafte Tageslicht. Ach, und was den Bandnamen betrifft, „The Prick“ kann mit „Scheißkerl“ übersetzt werden. Eine Bezeichnung, mit der wir die Band keinesfalls beleidigen wollen. Denn Lilly Wood and The Prick haben ein durch und durch grandioses Album abgeliefert.

Lilly Wood and The Prick „The Fight“ (Wagram Music / Indigo)