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10.05.2018, 17:25 Uhr NEUES STADTZENTRUM AM MAIN

Frankfurter Altstadt: Ein transplantiertes Herz

Von Dr. Stefan Lüddemann


Spitzgiebel statt Bankenturm - auch das ist jetzt Frankfurt am Main. Die ersten Besucher gehen durch die Gassen der neu eröffneten Altstadt. Foto: dpaSpitzgiebel statt Bankenturm - auch das ist jetzt Frankfurt am Main. Die ersten Besucher gehen durch die Gassen der neu eröffneten Altstadt. Foto: dpa

Frankfurt. Mainhattan gönnt sich eine neue Altstadt. Ein gewagtes Projekt? Ja. Denn es legt die Probleme der Stadtplanung offen - auf jener, die die Bausünden der Vergangenheit reparieren will.

Kann man eine Altstadt neu eröffnen? Eigentlich nicht. Historische Stadtkerne hatten Zeit zu wachsen, um genau jenes Gefühl von Identität geben zu können, das sie auszeichnet. Oder auszeichnen sollte. In Frankfurt ist nun alles anders. Die Stadt, die sich „City of the Euro“ nennt, verfügt nun über ein Quartier von heimeliger Enge, das „Herz und Seele“ der Metropole sein soll. Ob dieses transplantierte Herz in den Organismus dieser Stadt einwachsen wird? Skepsis ist geboten.

Dabei erfordert das Bauprojekt immensen Mut. Jahrzehnte nach dem Krieg und seinen Zerstörungen historischer Stadtzentren wird der Versuch unternommen, einen ganzen urbanen Stadtkern zu rekonstruieren. Auch wenn Wiederaufbauprojekte Konjunktur haben – dieses Vorhaben erscheint dennoch besonders gewagt.

Mit dem neuen Stadtkern nimmt Frankfurt Bausünden einer Zeit zurück, in der Planungseuphorie über Tradition triumphierte. Zugleich kann das Projekt nicht verdecken, dass der Idee einer Altstadt immer etwas Künstliches anhaftet. Viele Altstädte verdanken ihr Aussehen korrigierenden Eingriffen. Zudem bleibt offen, was einer Stadt Gepräge und Identität verleiht. Sind das im Falle Frankfurts nicht ohnehin die Bankentürme?


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