Einweihung vor 125 Jahren Bonner Beethoven-Haus wird neu gestaltet

Von KNA

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Das Beethoven Haus zeigt eine Sonderausstellung zum Thema „125 Jahre Verein-Beethoven-Haus“. Foto: dpaDas Beethoven Haus zeigt eine Sonderausstellung zum Thema „125 Jahre Verein-Beethoven-Haus“. Foto: dpa

Bonn. Es gehört zu den meistbesuchten Musikmuseen der Welt: das Bonner Beethoven-Haus. Vor 125 Jahren wurde es eingeweiht. Zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 soll die Sammlung neu präsentiert werden.

„Uns Bonnern, die wir als Hüter der gemeinsam geweihten Stätte zurückbleiben, wird die Erinnerung an den ganzen Verlauf dieses hehren Festes der Kunst noch lange die Seele erwärmen.“ In hohem Ton preist der Bonner „General-Anzeiger“ im Mai 1893 ein besonderes Ereignis: Vor 125 Jahren wurde das Geburtshaus von Bonns größtem Sohn Ludwig van Beethoven eingeweiht. Damit begann die Geschichte eines der meistbesuchten Musikermuseen der Welt. Jedes Jahr streifen rund 100.000 Gäste über die knarrenden Dielen der „Bonngasse No. 20“. Dabei war das schlichte Bürgerhaus im Herzen Bonns vom Verfall bedroht.

„Ich möchte namens des preußischen Kunst- und Unterrichtsministeriums allen danken, die sich dieses Hauses und seiner Erhaltung angenommen haben“, sagte Kultusminister Robert Bosse bei der Feier am 10. Mai 1893 in den engen Räumen des Beethoven-Hauses. Von draußen tönten festliche Fanfarenklänge, Flaggenschmuck wies den Weg zu dem Haus, „in dessen äußerstem Dachstübchen der Titane geboren wurde“, wie die Lokalpresse schrieb. Zur Mittagsstunde war eine Anzahl Herren zu dem „erhebenden Weiheakt“ zusammengekommen. Neben Bosses Ansprache wurden Teile von Beethovens Streichquartett Opus 130 zu Gehör gebracht – auf Originalinstrumenten des Meisters. Hofschauspieler Emil Milan rezitierte den von Ernst von Wildenbruch verfassten Prolog „Beethovens Haus“, schließlich erklang das Adagio aus dem Harfenquartett Opus 74.

Geburtshaus als Gedenkstätte

Ermöglicht wurde die Feier durch den Einsatz von zwölf beherzten Bonner Bürgern, die am 24. Februar 1889 mit dem Erwerb des Hauses für 57.000 Mark den Beethoven-Verein gegründet hatten. Ihr Ziel: das vom Verfall bedrohte Gebäude zu restaurieren, es als Gedenkstätte einzurichten und dazu Erinnerungsstücke an den großen Komponisten zu sammeln. Denn obwohl seine Vaterstadt sich stolz zeigte auf den wohl am 16. Dezember 1770 geborenen und einen Tag später getauften Beethoven – um sein Geburtshaus scherte man sich kaum.

Nachdem die Beethovens das Haus nicht mehr bewohnten, hatte es häufig den Besitzer gewechselt. Zuletzt befanden sich dort ein Kaufladen und eine „Schenkwirtschaft mit einer Singhalle niedrigster Art“. Vor allem diese rief die Bürger zur Gründung des Vereins, als dessen Ehrenpräsident der Komponist und Violinist Joseph Joachim (1831-1907) gewonnen wurde. Zu den Ehrenmitgliedern zählten Reichskanzler Otto von Bismarck und General-Feldmarschall Graf Moltke, die Musiker Johannes Brahms, Max Bruch, Niels Gade, Clara Schumann und Giuseppe Verdi sowie der Maler Adolf Menzel.

Neukonzeption der Dauerausstellung

Im Frühjahr 1890 veranstaltete der Verein das erste von 30 Kammermusikfesten. Beim zweiten Fest vom 10. bis 15. Mai 1893 fand die Einweihung der Gedenkstätte statt, wo inzwischen die weltweit bedeutendste Beethoven-Sammlung präsentiert wird – von seinen Hörrohren bis zur Originalhandschrift der „Pastorale“. Heute hat der Verein rund 700 Mitglieder, und das Beethoven-Haus besteht aus einem Komplex mit Museum, Archiv als musikwissenschaftlicher Forschungsstelle, Bibliothek, Kammermusiksaal und Museumsshop.

Derzeit bereitet das Beethoven-Haus die Neukonzeption seiner Dauerausstellung vor; zum Jahresende wird es dazu geschlossen. Auch deshalb ist zum Einweihungsjubiläum kein großes Programm geplant. Die Neueröffnung soll im Sommer oder Herbst 2019 stattfinden – mit der Zielrichtung 250. Geburtstag Beethovens im Jahr 2020.

340 Quadratmeter mehr Museum

Die Neukonzeption sieht auch eine Erweiterung vor: Künftig soll der Museumsshop auf die andere Straßenseite ziehen; das Museum wird von 550 auf 890 Quadratmeter vergrößert – Platz für Seminarräume, eine „Schatzkammer“ mit Autographen und ein Museumscafe.

Von den jährlich 100.000 Besuchern kommen etwa 60 Prozent aus dem europäischen Ausland, aus den USA, China und Japan. Zählt man jene dazu, die das Haus nur fotografieren, sind es nochmal so viele. Damit hatte Ehrenpräsident Joachim wohl recht: „Jahrhunderte pflegen der Welt nur ein einziges Genie zu schenken, wie es der heute Gefeierte war“, sagte er bei der Einweihung des Hauses. „Und deshalb werden seine Jünger aus aller Welt in alle Zeit zu dieser Stätte pilgern und in stummer Verehrung gedenken des großen Ludwig van Beethoven.“


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