Wes Andersons Trickfilm startet „Isle of Dogs“: Bellt den Despoten nieder!

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Puppentrick: Wes Andersons „Isle of Dogs“. Foto: FoxfilmsPuppentrick: Wes Andersons „Isle of Dogs“. Foto: Foxfilms

Berlin. Ein Junge rettet seinen Hund gegen einen üblen Despoten: Auf der Berlinale wurde Wes Andersons „Isle of Dogs“ mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Jetzt läuft der Puppentrick-Film im Kino an.

Wes Andersons „Isle of Dogs“ – lauter Stars, keiner sieht sie

Kaum etwas liefert bessere Argumente gegen Synchronfassungen als das Animationskino. Wer sich den meisterlichen Puppentrick-Film „Isle of Dogs“ anguckt, hat folgende Alternativen: Entweder einen Film mit Joachim Tennstedt und Luise Helm. Oder einen mit Bryan Cranston und Scarlett Johansson, Bill Murray, Greta Gerwig, Edward Norton und Tilda Swinton. All diese Stars nämlich leihen den Hunden und Menschen ihre Stimme, von deren Abenteuern Wes Andersons Stop-Motion-Spaß erzählt.

Der Film entführt in die dunkle Welt einer japanischen Megacity, wo ein Streit zwischen Katzen- und Hundeliebhabern dramatisch eskaliert: In einem perfiden Komplott verseucht der Bürgermeister – ein Vertreter der Katzenfraktion – die Hunde mit einer tödlichen Schnauzengrippe und verbannt sie auf eine Müllplatz-Insel. Der Widerstand kommt allerdings direkt aus dem eigenen Hause: Als politische Geste hat der Despot auch Spots entsorgt, den Hund seines Mündels Atari. Fest entschlossen, das Menschheitsverbrechen aufzuhalten, macht der Junge sich auf die Reise zu den Verbannten.


Regie-Preis auf der Berlinale: „Isle of Dogs“

Auf der Berlinale, wo Wes Anderson den Bären für die beste Regie gewonnen hat, wurde „Isle of Dogs“ zuallererst als politische Parabel verstanden, die sich gegen Ausgrenzung, Demagogie und aggressives Freund-Feind-Denken wendet. Der Regisseur selbst dagegen erklärte damals, dass ihm die Botschaft bei der Arbeit eher versehentlich unterlaufen ist. Ausgangspunkt seiner Arbeit seien zwei ganz private Anliegen gewesen: die Lust auf einen Hundefilm und seine Liebe zum japanischen Kino. Und tatsächlich erweist sich seine Virtuosität weniger im grob skizzierten Engagement als in einer ebenso verspielten wie detailgenauen Bildsprache, mit der „Isle of Dogs“ sich vor japanischen Kultur verbeugt: Schon die Eröffnungssequenz, die den mythischen Hass von Katzen und Hunden bebildert, löst Anderson in wunderbaren Wandmalereien auf. Nachrichtenbilder im Fernsehen sind im Stil von Farbholzdrucken gehalten.

Im großartigen Soundtrack von Alexandre Desplat klingt Japans Filmgeschichte vom Kanon bis zum B-Movie nach; denn natürlich ist Ataris Abenteuer auch eine Hommage an das Kino selbst, an die handgemachten Illusionen der Zeit vor der Digitalisierung und an seine tiefsten Ursprünge im Spiel: Wenn die Figuren des Puppenbauers Andy Gent sich Bild für Bild vor der Kamera bewegen, entfalten sie enorme Fantasie und Fabulierlust, und in jedem der unzähligen Gags erkennt man das erwachsene Kind Wes Anderson wieder. Denn anders als der ebenfalls gerade angelaufene Aardman-Puppentrick-Film „Early Man“ ist „Isle of Dogs“ zwar auch schon für ältere Kinder geeignet – in all seinen Anspielungen aber wohl doch eher von erfahreneren Fans zu würdigen.

„Isle of Dogs – Ataris Reise“. USA/D 2018. R: Wes Anderson. 101 Minuten, ab 6 Jahren. Cinema-Arthouse.


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