Lesen und Lebenshunger Provinzmelodram: "Der Buchladen der Florence Green"

Von Tobias Sunderdiek

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Versunken in einem Buch: Die Buchhändlerin  Florence Green (Emily Mortimer)Versunken in einem Buch: Die Buchhändlerin Florence Green (Emily Mortimer)

Osnabrück. Eine Kriegswitwe eröffnet Ende der 1950er Jahre eine Buchandlung in einem britischen Fischerdorf. Aber um welchen Preis?

Hardborough ist ein hübsches Fleckcken Erde. Vorausgesetzt man mag die Launen des Wetters. Düsterte Himmel herrschen vor, die Sonne scheint selten. Dunkle Wolken hängen aber auch über Florence Green (kitzäugig: Emily Mortimer). Die Kriegerwitwe hat in dem kleinen britischen Küstenort – entgegen den Ratschlägen vieler – Ende der 1950er eine Buchhandlung eröffnet. Mutig stellt sie Vladimir Nabokovs Skandalbuch „Lolita“ ins Schaufenster. Oder sie empfiehlt moderne Literatur wie etwa Ray Bradburys Bibliophilen-Roman „Fahrenheit 451“.

Doch sie hat auch Gegner. Vor allem die High Society-Lady Violet Gamart (kitzbiebig: Patrivia Clarkson) hat es auf das hübsche kleine Häuschen abgesehen, in welchem der Buchladen residiert. Sie will daraus ein „Kulturzentrum“ machen. Und ihr sind jegliche Mittel recht. So setzte sie sogar in London ihren in der Politik tätigen Neffen dafür ein, ein Gesetz zur Enteignung von Mrs. Green durchzusetzen.

Trivial

Hat Florence Green aber in dem mürrischen, isoliert lebenden Einsiedler und Bücherwurm Mr. Brundish (Bill Nighy, "The Limehouse Golem")  einen Mitstreiter gefunden? Und kann sie ihn wieder ins Leben führen? Derweil werden hinter dem Rücken von Florence. Green Intrigen gesponnen. Etwa, indem ihre Hilfskraft, das Dorfmädchen Christine (Honor Kneafsey), nicht mehr in der Bücherstube arbeiten darf.

„Trivialität“, so sagt unter anderem das Lexikon, sei ein anderes Wort für „Seichtheit“. Ein Wort, das bedenkenlos auf „Der Buchladen der Florence Green“ angewandt werden kann. Ob das Dorf, dessen Bewohner, ja selbst die Bösen wirken wie eine, verstaubte, stereotype Ansammlung von Klischees. Sie verkörpern nichts anderes als Elemente des Trivialromans. Bücher also, die die Titelheldin laut Film - angeblich - nicht in ihrem Sortiment hat.

Zusammengehalten wird das Werk von einer arg betulichen Erzählweise, in der wahre Konflikte weitestgehend umgangen werden oder verpuffen. So bleibt zum Beispiel die Frage unbeantwortet, welche Auswirkungen der Eingang der modernen Literatur auf die im Generellen lesefeindliche Dorfgemeinschaft hat. Und weshalb bitteschön möchte die snobistische Mrs. Gamart das Leben der Buchhändlerin zerstören? Geht es tatsächlich nur um die Immobilie? Oder will sie sich einfach nur durchsetzen? Eine Frage, deren Beantwortung seltsam in der Luft hängen bleibt.

Puppenstubenhaftigkeit

Entstanden nach einem Roman der Booker-Preisträgerin Penelope Fitzgerald, vereint die spanische Regisseurin Isabel Coixet ("Das geheime Leben der Worte") hier die Puppenstubenhaftigkeit von Filmen wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder „Chocolat“ mit einer bildungsbürgerlichen Attitüde, nach der das Lesen von Büchern zur Menschwerdung einfach dazu gehört.

Um das zu wissen, braucht es aber gewiss nicht Filme wie „Der Buchladen der Florence Green“. Schon gar nicht, wenn sie sich wie hier auf dem Niveau einer Utta Danella-Verfilmung befinden. Zumindest ist dieser Film aber ein guter Grund mal wieder zum Buch zu greifen. Hoffentlich einem guten.


„Der Buchladen der Florence Green“. E/GB/D 2018. R.: Isabel Coixet). D.: Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Bill Nighy. 112 Minuten. FSK: ab 0.

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