Oft noch brennend aktuell Dem Zeichner Fritz Wolf zum 100. Geburtstag

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Fritz Wolf als Meister der Selbstironie: Die Politiker Helmut Kohl, Otto Graf Lamsdorff, Theo Waigel und Björn Engholm (v.l.n.r) stehen mit ihren „Gastgeschenken“ vor der Haustür des an seinem Geburtstag verreisten Karikaturisten. „Zu knickerig, um seinen Geburtstag zu feiern!“, schreibt er unter seine Zeichnung.Fritz Wolf als Meister der Selbstironie: Die Politiker Helmut Kohl, Otto Graf Lamsdorff, Theo Waigel und Björn Engholm (v.l.n.r) stehen mit ihren „Gastgeschenken“ vor der Haustür des an seinem Geburtstag verreisten Karikaturisten. „Zu knickerig, um seinen Geburtstag zu feiern!“, schreibt er unter seine Zeichnung.

Osnabrück. Um die 30.000 Arbeiten dürfte der Osnabrücker Zeichner Fritz Wolf hinterlassen haben, als er am 23. Dezember 2001 starb. Am 7. Mai würde der begnadete Künstler, der den Leserinnen und Leser der Neuen Osnabrücker Zeitung und ihrer Regionalausgaben als täglicher Karikaturist in Erinnerung geblieben ist, 100 Jahre alt – eine Würdigung.

In Osnabrück haben die Fritz-Wolf-Gesellschaft und die gleichnamige Stiftung in diesem Jahr ein sehr umfangreiches Programm organisiert, um aktuelle Zugänge zur Wolf’schen Zeichenkunst zu schaffen. Dies geschieht vor allem durch Themenfelder wie Umwelt, Kunst, Musik, Fußball oder Kirche, die aus dem archivischen Fundus bestückt werden. Als Ergebnis entstehen Zusammenschauen seiner politischen Karikaturen und seinen Blicken auf die kleinen menschlichen Schwächen, die er fast vier Jahrzehnte als „Bilder aus der Provinz“ im Magazin „Stern“ beleuchtete.

„Die Provinz – das ist in der Regel Osnabrück, und die ganzseitigen Bildfolgen im ‚Stern‘ haben oft direkte Bezüge in unsere Region“, erläutert der ehrenamtliche Sprecher des Kuratoriums der Fritz-Wolf-Stiftung, Dr. Hermann Queckenstedt, die den Löwenanteil der Werke betreut. Auch nach Jahrzehnten begegne er im gesamten Bundesgebiet begeisterten Lesern, die früher den Bilderfolgen des Magazins oder den Pendants in den Zeitschriften „brigitte“ oder „schöner wohnen“ geradezu entgegengefieberten. Unangefochtene Spitzenwerte besitze Wolf aber natürlich im Verbreitungsgebiet „seiner“ Zeitung.

Fritz Wolf und sein Umfeld

Im Hauptamt Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück, hat Queckenstedt für sein Haus eine Geburtstagsausstellung kuratiert, die Fritz Wolf in seinen vielfältigen privaten und gesellschaftlichen Bezügen dokumentiert: Über 100 zumeist kolorierte Zeichnungen aus dem Besitz von Freunden und Weggefährten belegten eine exzellente Vernetzung des gebürtigen Mülheimers.

In einer Hommage an Fritz Wolf würdigt derweil das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover vor allem den politischen Karikaturisten, der nicht nur von 1949 bis 2001 fast täglich für die Neue Osnabrücker Zeitung und ihre Vorläuferinnen seine Bildkommentare ersann, sondern auch wöchentlich die Satireseite des „Stern“ mit politischen Bildfolgen bediente und darüber hinaus für die „Bild“, „Die Welt“ und die „Rheinische Post“ zeichnete. Bisweilen erschienen Zweitabdrucke in den unterschiedlichsten Medien der Welt wie dem Magazin „Time“ in den USA.

Kleine Schwächen werden beleuchtet

Immer wieder finden sich Karikaturen von so brennender Aktualität, dass sie unverändert abgedruckt werden könnten: Die Themen Asyl, Umwelt, Frieden oder Rechtsradikalismus gehören dazu, aber auch die meisterhaft beleuchteten kleinen menschlichen Schwächen. Gemeinsam mit der Fritz-Wolf-Gesellschaft möchte die Stiftung den derzeitigen öffentlichen Rückenwind des runden Geburtstags nutzen und das Werk ihres Namengebers umfänglich wissenschaftlich erschließen. Ein erster Aufschlag ist gemacht, denn die im Original zumeist verlorenen Arbeiten der 1950er und 60er Jahre für Osnabrücker Tageszeitungen sind inzwischen dank regionaler Förderer digital dokumentiert.

Für Queckenstedt und den Vorsitzenden der Fritz-Wolf-Gesellschaft, den Zeichner-Neffen Marcus Wolf, ist die wissenschaftliche Bewertung eine wesentliche Voraussetzung, um das Werk auch überregional in Sonderausstellungen oder den Präsentationen anderer Museen zur Geltung zu bringen. Die Würdigung in Hannover war dazu ebenso ein wichtiger Schritt wie die Präsenz Wolfs im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Sechs Ausstellungen im Mai

Für Freunde der Wolf’schen Zeichenkunst lohnt derzeit eine Fahrt ins Osnabrücker Land: In Osnabrück, Melle, Quakenbrück und Lingen sind im Mai insgesamt sechs Ausstellungen zu sehen, die so unterschiedliche Sujets wie die Umwelt, die Kunst, die Musik, den Fußball, die Kirche und das Bier zum Gegenstand haben.


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