Konzert beim Jazzfest Gronau Tower of Power und die Nils Landgren Funk Unit auf einer Bühne

Von Ralf Döring


Gronau. Es ist an lang gehegter Wunsch der Macher vom Jazzfest Gronau: Die beiden Musikkraftwerke von Tower of Power und der Nils Landgren Funk Unit auf einer Bühne. Jetzt ist er in Erfüllung gegangen.

Zum Dreißigsten geht der Wunsch endlich in Erfüllung: Das Jazzfest Gronau kann Nils Landgren Funk Unit und Tower of Power in einem gemeinsamen Konzert präsentieren. Zwei Formationen, die die treibende Kraft des Funk zum obersten Prinzip erhoben haben, auch wenn sie aus unterschiedlichen Richtungen an die Sache herangehen. Die Formation des schwedischen Posaunisten, Sängers, Bandleaders, Festivalmachers, kurz: des Multitalents Landgren setzt dem Funk eine gehörige Prise Jazz hinzu; wenn man so will, könnte man auch eine Art europäisch-klare Herangehensweise heraushören. Die Band aus Oakland, California hingegen wurzelt im Soul, was nicht nur der wunderbare aktuelle Sänger Marcus Scott dick unterstreicht. Weiterlesen: 2010 gastierte Tower of Power im Osnabrücker Rosenhof

Solo auf der roten Posaune

Nils Landgren schickt seine Band vor, kommt kurz darauf nach und begeistert sehr schnell mit einem fulminanten Solo auf seiner roten Posaune – hier führt er seine außergewöhnliche Klasse als Musiker vor. Danach lässt er über weite Strecken seiner aktuellen Funk Unit den Vortritt: Magnum Coltrane Price singt häufig, spielt einen knackigen Bass und ergänzt sich fabelhaft mit Drummer Robert Ikiz. Petter Bergander führt vor, wie gültig der glockige E-Piano-Sound des Fender Rhodes und jener der ehrwürdigen Hammond-Orgel heute noch ist, Andy Pfeiler ist ein brillanter Gitarrist, Jonas Wall schließlich ein Saxofonist mit viel Gefühl für Soul, und all das entwickelt einem mitreißenden Sog, getragen von einem brillanten Sound, der, ganz nebenbei gesagt, zeigt, wie gut die Macher in Gronau ihr Festival im Griff haben.

50 Jahre Musikgeschichte mitgeprägt

Die amerikanische Variante betritt dann gegen Viertel vor Zehn die Bühne – eine Band, die den Status als Insidertipp für Kenner nur ganz allmählich ablegt, obwohl Tower of Power dieses Jahr 50-jähriges Bestehen feiert und über all die Jahre dem amerikanischen Pop- und Rockmusik ihren deutlichen Stempel aufgedrückt hat.. Dafür verantwortlich ist die fulminante Bläsersektion mit ihren volltönenden, dabei präzise gefeilten Riffs, die eben nicht Ornament sind, sondern wesentlicher Bestandteil der Musik. Das kann man allein an der Aufstellung der Band ablesen: Die fünfköpfige Bläserabteilung um Bandchef Emilio Castillo und seinen Partner der ersten Minute, Stephen „Doc“ Kupka steht in der Frontlinie der Band, während Gitarrist Jerry Cortez hinten zusammen mit David Garibaldi an den Drums und Bassist Marc van Wageningen die Musik unermüdlich antreiben. Aus diesem Umfeld heraus stellt der aktuelle Sänger Marcus Scott die Verbindung zum Publikum her; die brillante Stimme hat ihm vermutlich der Soulgott persönlich verliehen, er tanzt dazu wie eine Mischung aus James Brown und Michael Jackson, und überhaupt führt er mit Tower of Power vor, wie spannungsgeladen eine Musik sein kann, die auf elektronische Mätzchen verzichtet und stattdessen auf virtuose Musiker und deren Zusammenspiel gründet. „What is hip?“ wird schließlich als Frage aller Fragen gestellt. Tower of Power liefert die Antwort aus Kalifornien, Nils Landgren die aus Schweden. Überzeugt haben beide.