Dreißigjähriger Krieg Große Friedensausstellung in Münster beginnt

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Eine Anti-Kriegs-Skulptur von Wilhelm Lehmbruck „Der Gestürzte“ steht vor dem Schlachtfeldpanorama von Otto Dix im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster. Die große Friedenausstellung, an der sich fünf Institutionen in der Stadt des Westfälischen Friedens beteiligen, beginnt am Samstag. Foto: dpa/Guido KirchnerEine Anti-Kriegs-Skulptur von Wilhelm Lehmbruck „Der Gestürzte“ steht vor dem Schlachtfeldpanorama von Otto Dix im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster. Die große Friedenausstellung, an der sich fünf Institutionen in der Stadt des Westfälischen Friedens beteiligen, beginnt am Samstag. Foto: dpa/Guido Kirchner

Münster. Genau 400 Jahre ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges her. Vier Museen und das Bistum Münster nehmen das zum Anlass für die große Kooperationsausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“. Am Samstag wird sie in Münster im Beisein von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnet.

Pablo Picasso war verwundert darüber, dass seine Friedenstaube zu einem so berühmten Symbol werden sollte. Den Erfolg konnte er nicht erahnen, als er 1949 für den Weltfriedenskongress das Bild einer Mailänder Lockentaube malte. Danach trat die Friedenstaube ihren „Siegesflug“ rund um den Globus an, wie Markus Müller, Leiter des Kunstmuseums Pablo Picasso in Münster, es ausdrückt. Picasso selbst malte insgesamt zehn Plakatvariationen der Taube, die nun auch bei der großen Friedensausstellung in Münster zu sehen sind.

Vier Museen und das Bistum Münster haben sich für die Kooperationsausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“ zusammengetan. Anlass ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren. Aber auch sein Ende mit dem in Osnabrück und Münster geschlossenen Westfälischen Frieden vor 370 Jahren und das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sind Jubiläen, die den Anstoß zu der Ausstellung gaben. Drei Jahre haben rund 50 wissenschaftliche Mitarbeiter an der Schau gearbeitet, bei der 660 Kunstwerke und Objekte im LWL-Museum für Kunst und Kultur, im Archäologischen Museum der Universität Münster, im Stadtmuseum Münster und im Picassomuseum zu sehen sind. Nach Angaben der Macher hat noch keine Ausstellung das Thema Frieden in so umfassendem Maß behandelt.

Werke von Picasso, Dix und Rubens

Ein Künstler wie Picasso passt nicht nur wegen seiner Friedenstaube ins Konzept. Vielmehr ist sein Werk von den Gegenpolen Krieg und Frieden geprägt. So schuf er 1939 mit „Guernica“ eines seiner berühmtesten Bilder, eine wütende Anklage gegen den Krieg, die nach dem Angriff auf die baskische Stadt Guernica entstand. Relativ spät, erst im Alter von 55 Jahren, fand so die Politik Einzug in sein Werk. Bei der Ausstellung unter dem Titel „Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube“ ist eine moderne Paraphrase des Bildes von Tatjana Doll mit dem Titel „RIP_Im Westen nichts Neues“ zu sehen. Das Original, das in Madrid hängt, ist nicht ausleihbar.

Auffällig ist vor allem im LWL-Museum, dass eine Friedenausstellung nicht ohne die Schreckensbilder des Krieges auskommt. Eines der bedeutendsten Exponate im Landesmuseum ist Otto Dix‘ „Flandern“, auf der von Gewalt gezeichnete Soldaten in einer völlig zerstörten Landschaft zu sehen sind. Der Maler, selbst Soldat im Ersten Weltkrieg, versteht sein Bild als Mahnmal an spätere Generationen. Auch Wilhelm Lehmbrucks Skulptur „Der Gestürzte“ entstand als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Sein Archetyp des Elenden hat keine Nationalität. Das Leid des Kriegs traumatisiert alle, die ihn erleben. „Nie wieder Krieg!“ fordert Käthe Kollwitz auf ihrer berühmten Lithografie aus den 1920ern. „Wege zum Frieden“ im LWL-Museum ist die umfassendste der fünf Ausstellungen und besteht aus Highlights wiebarocken Bildern von Peter Paul Rubens und Werken des Spätromantikers Eugene Delacroix und reicht bis in die jüngere Zeit, als Willi Brandt mit seinem Kniefall vor dem Mahnmal des Warschauer Gettos um Vergebung bat.

Friedenssymbole ziehen sich durch alle Zeiten. Das macht auch das Bistum mit „Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?“ deutlich, das ebenfalls im Landesmuseum ausstellt. Dort wird nicht verschwiegen, dass Krieg und Gewalt häufig im Namen Gottes begangen wurden. Auf der anderen Seite gab es mutige Widerständler wie den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, dessen „Von guten Mächten treu und still umgeben“ im Originalskript gezeigt wird.

Wohlstand als Zeichen des Friedens

Bestimmte Vorstellungen vom Frieden reichen weit in die Menschheitsgeschichte zurück, wie die Ausstellung „Eirene/Pax – Frieden in der Antike“ im Archäologischen Museum belegt. Gleich am Eingang ist der älteste erhaltene Friedensvertrag der Menschheit zu bewundern, der 1259 vor Christus geschlossen wurde. Dass Wohlstand immer ein Zeichen das Friedens war, verdeutlichen mehrere Exponate der Schau, die das Thema aus griechischer und römischer Sicht in der Zeit zwischen 700 vor Christus und 300 nach Christus aufgreift. So hält Friedensgöttin Eirene in der Nachbildung einer Statue von 375 vor Christus den knabenhaften Ploutos im Arm, die Personifikation des Wohlstands.

Frieden, das macht die Ausstellung deutlich, ist eine zeitlose Sehnsucht, die sich in Zeiten zahlreicher Konflikte auf der Welt schmerzlich ins Bewusstsein drängt. In früheren Jahrhunderten wäre die Schau in Münster wohl nicht gut angekommen, wie das Stadtmuseum unter dem Motto „Ein Grund zum feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ zeigt. 1898 gedachten zum ersten Mal ein paar Historiker in Münster des großen Friedensschlusses. Davor wurde das Datum in der katholischen Stadt ignoriert, weil das Ende des Dreißigjährigen Krieges eine Schwächung des Katholizismus in Deutschland bedeutet hatte.

„Frieden. Von der Antike bis heute“: 28. April bis 2. September, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Kunstmuseum Pablo Picasso, Archäologisches Museum der Universität Münster und Stadtmuseum Münster; Infos auf www.ausstellung-frieden.de


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