Kommentar: Literaturnobelpreis Schweigen muss enden

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Literaturnobelpreisträger von 2017: Der in Japan geborene, britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro. Foto: dpaLiteraturnobelpreisträger von 2017: Der in Japan geborene, britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro. Foto: dpa

Osnabrück. Die Literaturnobelpreisjury beendet ihr Schweigen, das wird allerhöchste Zeit. Denn die Gesellschaft will bei sexuellen Übergriffen gottlob nicht länger wegschauen – ein Kommentar.

Die Literaturnobelpreisjury beendet ihr Schweigen, das wird allerhöchste Zeit. Mit grundsätzlich mehr Offenheit und Transparenz kann ihr die Ungeheuerlichkeit kaum wieder geschehen, die sie jetzt einräumt: Hinweise auf sexuelle Übergriffe vor 20 Jahren einfach ignoriert zu haben. Denn das Schweigen ist ihr stärkster Komplize.

Die traurigen Folgen davon: Die Jurymitglieder werden sich in der Bewertung der Vorfälle nicht einig, zerstreiten sich, einige treten zurück – und kommen so einem konstruktiven Weg aus der Krise keinen Schritt näher.

Das Schweigen nach außen hat auf den ersten Blick eine nachvollziehbare Seite: Der Literaturnobelpreis ist einer der angesehensten Preise auf der Welt, ihn will man durch interne Querelen nicht aufs Spiel setzen. Doch die Gesellschaft will neuerdings gottlob bei sexuellen Übergriffen nicht länger wegschauen. Dem muss sich jede noch so hehre Institution stellen.

Aufklären, reformieren und nichts Gravierendes mehr unter den Teppich kehren: Nur so kann das Vertrauen in diesen Preis erhalten bleiben.


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