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25.04.2018, 15:38 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Preis abgeschafft: Was der Nachfolger des Echo leisten muss


Bis eben noch ein Musikpreis, jetzt ein Museumsstück: Eine Echotrophäe. Foto: Britta Pedersen/dpaBis eben noch ein Musikpreis, jetzt ein Museumsstück: Eine Echotrophäe. Foto: Britta Pedersen/dpa

Osnabrück. Der Musikpreis Echo wird abgeschafft. Das ist eine ebenso richtige wie rigorose Entscheidung. Bei der Neukonzeption eines Preises sollten allerdings ein paar Dinge bedacht werden. Ein Kommentar von Ralf Döring.

In ihrer Endgültigkeit kommt die Entscheidung überraschend, in ihrer Rigorosität ist sie konsequent: Der Echo-Preis wird abgeschafft, weggefegt von einer Sturmflut des Protests und einer Rückgabewelle nach dem Eklat um ein paar widerwärtige Textzeilen der Rapper Kollegah und Farid Bang. Das hat den Ruf der Marke Echo derart nachhaltig ramponiert, dass kosmetische Korrekturen so wenig geholfen hätten wie ein Lackstift nach einem Totalschaden.

Doch es bleibt dabei: Die Musikindustrie und alle Beteiligten haben gemeinsam den Echo zu dem gemacht, was er war: Ein Preis, dem der Geruch des Geldes anhaftet wie einem Triathleten der Schweißgeruch. Und so ekelhaft die Sätze der beiden Rapper sind: Der Sturm der Entrüstung entzündet sich an wenigen aus dem Kontext gerissenen Textzeilen. Das soll die Tendenz zum Antisemitismus und zur verbalen Gewalt gegen Frauen in Teilen der Hiphop-Bewegung nicht relativieren. Im Gegenteil: Hier muss eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte geführt werden, die weit über den Echo hinausgeht. Woher kommt diese verbale Verrohung und vor allem: Warum fällt sie auf derart fruchtbaren Boden, um so gute Verkaufszahlen zu erzielen?

Vermutlich wird sich der Nachfolger des Echo von diesem Quotendruck freimachen. Beim neuen Musikpreis solle „die Jury stärker in den Vordergrund rücken“, heißt es auf der Echo-Webseite – das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, der allerdings schon seit Jahren eingefordert wurde. Will der künftige Musikpreis ernst genommen werden, muss die Jury nicht „stärker“ im Vordergrund stehen, sondern uneingeschränkt darüber befinden, wer Preise bekommt, von der Longlist bis zur Preisvergabe. Entscheidend wird dabei die Zusammensetzung der Jury sein: Da dürfen sicher Vertreter der Musikindustrie sitzen. Mindestens 51 Prozent Stimmanteil muss aber bei unabhängigen Jurorinnen und Juroren liegen. Nur dann hat ein künftiger Musikpreis die Chance, ernstgenommen zu werden.


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