10 Jahre Marvel Cinematic Universe Avengers feiern Geburtstag: 10 Fakten zu „Infinity War“

Von Daniel Benedict


Berlin. Ist Marvel erfolgreicher als Star Wars? Welcher Marvel-Star hatte die häufigsten Auftritte? Wer wurde umbesetzt? Wann kriegt die erste Marvel-Frau ihr Solo-Abententeuer? Zum Filmstart von „Avengers: Infinity War“ beantworten wir zehn drängende Marvel-Fragen.

Seit 2008 schicken die Marvel Studios im Schnitt zwei Superhelden-Filme pro Jahr ins Kino. Die Nummer 19, „Avengers: Infinity War“ (Filmstart 26. April), markiert zugleich den zehnten Geburtstag des Marvel Cinematic Universe (MCU)– der filmischen Welt also, in der die Abenteuer von Iron Man, Thor, Black Panther und all den anderen Comic-Stars eine große, geschlossene Geschichte ergeben. Zehn Marvel-Fakten zum Zehnjährigen:

Sony verzichtete auf Ramsch-Angebot für alle Marvel-Helden

1998 gab es offenbar eine Gelegenheit, die Filmrechte an nahezu allen Marvel-Helden für 25 Millionen Dollar zu kaufen – und keiner griff zu. Wie der Autor Ben Fritz in seinem Buch „The Big Picture“ schreibt, bemühte sich Sony 1998 um die Filmrechte an Spider-Man. Marvel, damals in einem finanziellen Engpass, bot demnach an, für insgesamt 25 Millionen Dollar auch die Rechte an Iron Man, Thor, Ant-Man, Black Panther und etlichen weiteren Figuren abzugeben. Einem Unterhändler zufolge verzichtete die Sony-Führung mit den Worten: „Nobody gives a shit about any of the other Marvel characters“. („Die anderen Marvel-Figuren interessieren kein Schwein.“) Ein Irrtum: Marvel produzierte seine Heldenfilme selbst und wurde damit so wertvoll, dass Disney für den Kauf des Dachunternehmens Marvel Entertainment elf Jahre später vier Milliarden Dollar bezahlte. (Das „Wall Street Journal“ hat einen Vorabdruck aus dem Buch gebracht, der über einen Tweet von Ben Fritz kostenlos abgerufen werden kann.)

„Star Wars“ vs Marvel: Welche Reihe macht mehr Geld?

In der Liste der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten stehen die Marvel-Filme mit einem Einspielergebnis von 14,8 Milliarden Dollar klar auf Platz eins; die „Star Wars“-Saga folgt mit 8,9 Milliarden Dollar. Das ist deutlich weniger, aber die Reihe hat auch erst zehn und nicht 18 Filme hervorgebracht. Auf den einzelnen Film heruntergerechnet, macht der Sternenkrieg derzeit sogar den besseren Schnitt. Tatsächlich sind Zahlen allerdings schwer vergleichbar. Zum einen wegen der Teuerungsrate: Die gut 300 Millionen Dollar, die „Star Wars“ 1977 allein in den USA eingespielt hat, entsprächen heute weit über einer Milliarde. Zum anderen machen Filme nicht nur an der Kasse Geld. Im Fall von „Star Wars“ haben die nur noch schwer überschaubaren Einnahmen etwa aus Fan-Artikeln, Home Entertainment und Videospielen das Gesamtergebnis laut Wikipedia auf vermutlich über 40 Milliarden Dollar getrieben. (Hier läuft was falsch: Was taugt „Avengers: Infinity War“?)

Der Star mit den meisten Marvel-Rollen

Niemand ist in so vielen Marvel-Verfilmungen zu sehen wie der geistige Vater des Universums: In den 60er Jahren erfand der Autor Stan Lee mit den Zeichnern Jack Kirby und Steve Ditko einen Großteil der heute auch im Kino erfolgreichen Helden: Hulk, Iron Man und Thor zum Beispiel, die X-Men, Daredevil und Spider-Man. In allen Filmen des MCU (und in vielen anderen Verfilmungen von Marvel-Comics) hat der heute 95-jährige Lee Gastauftritte. In „Thor 3“ (2017) schneidet er seinem Helden die Haare ab, in „Black Panther“ (2018) versucht er sein Glück im Casino und in „Iron Man“ (2008) verwechselt der Titelheld ihn mit Hugh Hefner.

Welche Marvel-Helden haben den Schauspieler gewechselt?

Noch im ersten Jahr schrammte das Marvel Cinematic Universe an einer Niederlage entlang: „Der unglaubliche Hulk“ (2008) spielte als bislang einziger Film der Reihe seine Produktionskosten nicht schon auf dem Heimatmarkt ein, zusätzlich kam es zu Unstimmigkeiten mit dem Hauptdarsteller Edward Norton. Seit „The Avengers“ (2012) spielt deshalb Mark Ruffalo die Doppelrolle von The Hulk/Bruce Banner. Es ist die auffälligste, aber nicht die einzige Umbesetzung im MCU: Don Cheadles Figur War Machine wurde in „Iron Man“ noch von Terrence Howard gespielt. Und sogar Thanos, mit dem Josh Brolin in „Avengers: Infinity War“ seinen großen Auftritt als Schurke hat, wurde schon einmal von einem anderen Darsteller verkörpert: In einer Abspann-Szene am Ende von „The Avengers“ lächelt der Schurke diabolisch in die Kamera, und das laut Wikipedia mit den Zügen des „True Blood“-Schauspielers Damion Poitier.

Hulk und Ant-Man trinken Cola

Hinter dem „Avengers“-Abenteuer „Infinity War“ stehen die Regie-Brüder Joe und Antony Russo. Die beiden haben schon die Captain-America-Filme „The Return of the First Avenger“ (2014) und „The First Avenger: Civil War“ (2016) inszeniert und zeichnen auch für einen kommenden Avenger-Film verantwortlich, der für 2019 geplant ist. Die höchste Quote dürften die beiden allerdings mit ihrem kürzesten Marvel-Film erreicht haben, einem Spot, der 2016 im Werbeblock des Super Bowl zu sehen war. In dem Film liefern sich der Hulk und Ant-Man einen Kampf um die letzte Mini-Coke-Dose im Kühlschrank von Bruce Banner. (Was verdient man als Marvel-Star? Paul Bettany alias Vision im Interview)

„Avengers“ oder „Black Panther“: Welcher Marvel-Film ist der erfolgreichste?

Disney bewirbt „Black Panther“ als erfolgreichsten Superhelden-Abenteuer der Filmgeschichte. Tatsächlich haben die beiden „Avengers“-Filme – gemessen am weltweiten Ergebnis – noch mehr verdient: Mit 1,52 Milliarden Dollar liegt „The Avengers“ (2012) auf Platz fünf der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, „Avengers: Age of Ultron“ (2015) schafft es mit 1,41 Milliarden Dollar auf Rang 7. „Black Panther“ belegt in dieser Liste mit 1,31 Milliarden Dollar Platz 10. Aber während die „Avengers“ den größeren Teil ihrer Einnahmen jenseits des Heimatmarktes eingespielt haben, hat „Black Panther“ zuhause mehr verdient als in allen anderen Länder der Welt zusammen. An den US-Kassen ist er damit wirklich der erfolgreichste aller Superhelden-Filme – und das offenbar wegen der hohen Relevanz, die er als schwarzer Blockbuster in einer vom Rassismus geprägten Gesellschaft hat.

Was Nerds und Insider von „Marvel‘s Avengers: Infinity War“ erwarten, lesen Sie hier.

Spoiler-Alarm bei Lego und Hasbro

Wer unter Angst vor Spoilern leidet, muss nicht nur das komplette Internet meiden. Dank Hasbro und Lego dürfen Hardcore-Fans nicht mal mehr ins Spielzeuggeschäft. Die Marvel-Sets der dieser Hersteller legen nämlich nahe, dass Thor nach dem Verlust seines Hammers im aktuellen Film mit einem Axt-Hammer-Hybriden namens Stormbreaker zuschlägt. Wer mit diesem Wissen keine Lust mehr hat, sich den Film überhaupt noch anzusehen, findet vielleicht Trost beim Analysten des Wirtschaftsmagazins „Forbes“. Der weist darauf hin, dass Lego wohl noch nicht mal die Handlung des letzten „Thor“-Films kannte, als die Lizenzen für „Avengers: Infinity War“ vergeben wurden.

Wo bleiben die Frauen im Marvel Universum?

19 Filme umfasst das Marvel Universum schon – und bislang gibt es keinen einzigen, der eine Frau ins Zentrum gestellt hätte. Was für ein Potenzial damit vergeudet wurde, hat gerade erst die Konkurrenz bewiesen: Mit „Wonder Woman“ (2017) spielte eine Heroine des DC Verlags über 800 Millionen Dollar ein. Marvel zieht schrittweise nach: „Ant-Man and the Wasp“ (Juli 2018) schickt ein gemischtgeschlechtliches Team von Miniatur-Helden in die Schlacht – und wertet mit der von Evangeline Lilly gespielten Wespe eine weibliche Nebenfigur des ersten Teils auf. Im März des kommenden Jahres folgt „Captain Marvel“, das erste Solo-Abenteuer einer Marvel-Frau. Brie Larson spielt darin eine Airforce-Pilotin mit Alien-DNA.

Die X-Men auf dem Sprung ins Marvel Cinematic Universe

Wenn die Aufsichtsbehörden zustimmen, will der Disney-Konzern bald das Medienunternehmen 21st Century Fox kaufen. Zu dem gehört das Studio 20th Century Fox, und das hält die Rechte an den Marvel-Helden der „X-Men“-Reihe. Mit dem Deal wären also die rechtlichen Hürden für ein Zusammentreffen von Avengers und X-Men aus dem Weg geräumt. Als mögliche Vorlage handelt das Portal „Filmstarts.de“ die Marvel-Comic-Reihe „Secret Wars“ (2015/16), zu deren All-Star-Ensemble die Avengers, die Guardians of the Galaxy und auch die X-Men gehören.

Nicht alle Marvel-Helden taugen fürs Kino

Marvel steht für eine der einträglichsten Filmreihen aller Zeiten. Aber vor 30 Jahren haben die Comics auch einen legendären Kinoflop hervorgebracht: „Howard the Duck“ (1986). Der Produzent George Lucas wollte die Satire um eine übellaunige Weltraum-Ente zum Hit im Stil von „Zurück in die Zukunft“ (1985) machen. Tatsächlich wird das Werk als Kinderfilm missverstanden, dessen Zuschauer sich dann von derben Zoten verstört fühlten. Regisseur Willard Huyck dreht nach dem Misserfolg nie wieder; und selbst Lucasfilm kommt in finanzielle Bedrängnis. Heute gehört die Firma genau wie Marvel zu Disney – und dort kann man über die Panne lachen: In „Guardians of the Galaxy“ (2014) sitzt Howard the Duck als Trophäe im Käfig eines Sammlers bizarrer Aliens.

Neuer Marvel-Schurke: Im Kampf gegen Thanos (Josh Brolin) müssen sich die Avengers noch einmal zusammenraufen. Foto: Film Frame, Marvel Studios