Ein Bild von Kristina Müller
17.04.2018, 17:49 Uhr KOMMENTAR

Pulitzer-Preis für Rapper: Nicht nur böse Buben

Von Kristina Müller


Den Grammy hat Kendrick Lamar bereits in der Tasche. Jetzt erhält er überraschend einen weiteren Preis. Foto: AFPDen Grammy hat Kendrick Lamar bereits in der Tasche. Jetzt erhält er überraschend einen weiteren Preis. Foto: AFP

Osnabrück. Neben den Journalisten von „New York Times“ und „New Yorker“ für die Aufdeckung der Affäre um Harvey Weinstein erhält nun erstmals auch ein Rapper einen Pulitzer-Preis. Und das zu Recht – ein Kommentar.

Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass ein Musiker einen Pulitzer-Preis gewinnt. Dieser zeichnete ursprünglich besondere journalistische Berichterstattung aus und ist bis heute bekannt dafür. Tatsächlich wird der Preis aber seit 1943 auch für Jazz- oder Klassik-Kompositionen vergeben. Mit der erstmaligen Verleihung an einen Rapper wie Kendrick Lamar trägt der Preis der aktuellen Entwicklung der Musikkultur Rechnung. In den USA ist Rap längst in der Gesellschaft etabliert.

Lamar, der als „neuer Protestsänger der schwarzen Bürgerrechtsbewegung“ und bester Rapper der Neuzeit gehandelt wird, tritt mit seinen gesellschaftskritischen und lyrischen Texten in die Fußstapfen von Protestsängern wie Bob Dylan. Das zeigt, dass Rap mehr ist, als schlichter Sprechgesang – und durchaus preisverdächtig. Beim Pulitzer-Preis geht es anders als beim Echo eben nicht nur um Verkaufszahlen. Nach der jüngsten Debatte um Kollegah und Farid Bang, die trotz antisemitischer Textzeilen einen Echo erhielten, ist der Blick auf Rapper noch kritischer als zuvor. Doch Rap besteht aus mehr als bösen Buben, die frauenverachtende oder antisemitische Texte hervorbringen. Rap gibt Menschen – wie Lamar den Afroamerikanern – eine Stimme.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN