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Intime Details

Parallel zu den Ausstellung der Osnabrücker Künstler Johannes Eidt in der Dominikanerkirche und Arsentij Pawlow in der Stadtgalerie eröffnet heute im BBK-Kunstquartier eine Ausstellung mit Werken von Birgit Kannengießer und Jens Raddatz. Beide nähern sich dem Thema Grafik auf unkonventionelle Weise.

"Wir haben diese Vernetzung mit dem Ziel gesucht, das eher stiefmütterlich behandelte Thema Grafik in Osnabrück auf besondere Art in den Fokus zu rücken", erklärt der Leiter der Kunsthalle Dominikanerkirche, André Lindhorst. Die Kooperation mit dem Bund Bildender Künstler Osnabrück (BBK) habe sich angeboten, allein schon aufgrund der nachbarschaftlichen Nähe des Kunstquartiers zu Kunsthalle und Stadtgalerie. Außerdem, so die Vorsitzende des BBK, Renate Michalick, wurden mit Birgit Kannengießer und Jens Raddatz zwei Künstler eingeladen, die sich recht unorthodox mit der Materie beschäftigen.

Ein Bettgestell inmitten des Ausstellungsraumes stellt den Betrachter vor die Frage: Wie soll ich dieses Möbelstück mit Grafik in Verbindung bringen? Die Antwort ergibt sich erst beim Erfassen der gesamten Installation von Birgit Kannengießer, die aus dem alten Holzbett, einem Schrank, einer Schranktür sowie bedruckten Objekten besteht. Spezialaspekt dieser Kunstschau ist nämlich die Tapete. Auch Pawlow und Raddatz nahmen das Angebot des Sponsors Rasch an, zur Verfügung gestellte Papierbahnen zum künstlerischen Werkstoff umzufunktionieren.

"Mit einer Tapete äußert man individuelle Befindlichkeiten. Gerade jemand, der sich für geblümtes Textil entscheidet, gibt in seinen Privaträumen Persönliches preis, kehrt Inneres nach außen", beschreibt die Osnabrücker Künstlerin ihre Auseinandersetzung mit dem Wandschmuck. Also bespannte sie für ihre Installation "Privatsache" Möbelstücke mit einer Ton-in-Ton-Blumentapete und versah sie per Linoldruck mit passenden Buchstaben, Worten - so, wie es ihrer momentanen Stilistik entspricht. Eine reizvolle Zurschaustellung vermeintlich intimer Details im öffentlichen Raum.

Auch Raddatz nutzt Tapeten. Auf mehreren Bahnen, bearbeitet mit Digitaldruck auf Folie sowie Siebdruck, nähert er sich einem biblischen Thema: Judas, der gemeinhin als Verräter gilt, wird von dem Künstler in ein neues Licht gestellt: "Ohne Judas' Tat wäre Jesu Leben grundsätzlich anders verlaufen", meint Raddatz. Auch mit zwei Digitaldrucken auf Kunststoff-Platten visualisiert er Verse aus dem Matthäus-Evangelium: eine Popgruppe als Häschertruppe, zwei korrespondierende Selbstporträts, Telefonbuchauszüge und schematische Computerplatinen - eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit einem biblischen Thema. Siehe S. 28


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