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16.04.2018, 17:34 Uhr KOMMENTAR

Echo-Skandal: Ein längst fälliges Signal

Kommentar von Christine Adam

Vorreiter bei der Preisrückgabe:  Das Notos-Quartett: mit Philip Graham (von links), Antonia Köster, Anfdrea Burger und Sindri Lederer. Foto: Classic con brioVorreiter bei der Preisrückgabe: Das Notos-Quartett: mit Philip Graham (von links), Antonia Köster, Anfdrea Burger und Sindri Lederer. Foto: Classic con brio

Osnabrück. Das junge Berliner Notos-Quartett gibt seinen Echo-Klassik-Preis zurück und setzt damit ein längst fälliges Signal – ein Kommentar.

Der Grafiker und Musiker Klaus Voormann und das junge Berliner Notos-Quartett geben ihre Echo-Ehrungen zurück. Das ist ein klares und souveränes Statement von den jungen Musikern und wird den Bundesverband Musikindustrie (BVMI) nach aller Kritik zusätzlich schmerzen.

Doch sollten die Veranstalter des Echo-Preises nicht gleich von Überforderung des Preises sprechen. Es geht um nichts weniger als die Selbstverständigung einer Gesellschaft darüber, was sie tolerieren will und was nicht. Diesen Prozess muss der BVMI nun wohl aushalten. Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut in unserer westlich-liberalen Gesellschaft. Doch wer antisemitische Hetze unter ihren Schutz stellt, lässt zu, dass die Kunstfreiheit verhöhnt wird von jenen, die Toleranz mit Füßen treten wollen. Textpassagen wie die von Kollegah und Farid Bang dürfen nicht hoffähig und schon gar nicht durch Preise geadelt werden. Sonst bekommen jene Rassisten aller Art Oberwasser, denen sich die Rapper mit grotesker Selbstverherrlichung und makabrem Dumpfsinn anbiedern wollen. Dem Grenzen zu setzen wie nun die Künstler: Das ist ein längst fälliges Signal.


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