Regisseur, der Filmgeschichte schrieb: Milos Forman Von Prag nach Hollywood

Von Tobias Sunderdiek

Der tschechische Hollywood-Regisseur Milos Forman. Foto. dpaDer tschechische Hollywood-Regisseur Milos Forman. Foto. dpa

Milos Forman war einer der großen Regisseure des europäischen und amerikanischen Kinos: „Einer flog über das Kuckucksnest“ bescherte ihm Weltruhm und brachte ihm seinen ersten Oscar ein. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Milos Formans Karriere begann unter denkbar schlechten Voraussetzungen. 1932 geboren, wuchs der junge Milos bei Verwandten auf. Die Eltern wurden in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Sein Vater war in einer Widerstandsgruppe, die Mutter wurde denunziert. Nach der Schule studierte Forman an der renommierten Prager Filmakademie. Dort realisierte er nach diversen Kurzfilmen seinen ersten Spielfilm „Schwarzer Peter“ (1964). Die Geschichte eines Ladendetektivs gewann beim Filmfestival in Locarno.

Auch seine beiden darauffolgenden Werke wurden international gefeiert: „Die Liebe einer Blondine“ (1964) ist die bittersüße Geschichte einer Fabrikarbeiterin, die sich in einen Musiker verliebt und ihm aus der Provinz nach Prag nachreist, dagegen erzählt „Der Feuerwehrball“ (1967) von der großen Tombola einer dörflichen Feuerwehrbrigade, die ruiniert wird durch die chaotische Organisation der Funktionäre. Beide Filme waren für einen Oscar nominiert. Sie wurden aber auch, weil sie kleinbürgerliche Verhältnisse zeigten, als Angriff auf den „sozialistischen Realismus“ angesehen. „Der Feuerwehrball“ wurde als kaum verhüllter satirischer Angriff auf die kommunistische Gesellschaft interpretiert und 1969 verboten.

Filmhistorisch gelten beide Filme als Meisterwerke der „tschechoslowakischen Neuen Welle“, die auch Talente wie Jiri Menzel, Véra Chytilová oder den erst kürzlich verstorbenen Juraj Herz hervorbrachte. Deren Vorbilder waren die französische Nouvelle Vague und der italienische Neorealismus. Doch die kulturelle Freiheit in der damaligen Tschechoslowakei Mitte der 60er-Jahre wurde im August 1968 durch Truppen des Warschauer Paktes brutal beendet. Der „Prager Frühling“ wurde zur sozialistischen Eiszeit.

Milos Forman, der sich damals in Paris aufhielt, entschloss sich, im Westen zu bleiben. Er emigrierte in die USA und konnte dort 1971 mit der Satire „Taking Off“ einen Achtungserfolg erzielen. Dennoch brauchte er vier weitere Jahre, um sich endlich in Hollywood zu etablieren. 1975 war es dann so weit: Seine von Michael Douglas koproduzierte Romanverfilmung des Psychiatrie-Dramas „Einer flog über das Kuckucksnest“ gewann fünf Oscars, darunter einen für die „Beste Regie“ für Forman. Jack Nicholson spielte darin einen Kleinkriminellen, der ins Irrenhaus gesteckt wird, dort eine Revolution anzettelt, schließlich aber scheitert. Indes geriet Formans nächster Film, die Kinofassung des Hippie-Musicals „Hair“ (1979), trotz guter Kritiken zum Flop.

Doch 1984 sollte ein weiterer, noch größerer Triumph für Forman folgen: Seine Verfilmung des Peter-Shaffer-Stücks „Amadeus“ über den Tod von Mozart erhielt acht Oscars. Einen davon erhielt Forman als „Bester Regisseur“. Weniger bekannt sind indes andere Filme Formans. Etwa die Literaturverfilmung „Ragtime“ (1981) oder „Valmont“ (1989), seine Adaption von Choderlos de Laclos’ Barock-Roman „Gefährliche Liebschaften“.

1996 veröffentlichte Forman seine Filmbiografie „Larry Flynt“ über den Herausgeber des Sex-Magazins „Hustler“ und dessen leidenschaftlichen Aufruf gegen Zensur. Zum Skandal wurde jedoch nicht der Inhalt des Films, sondern sein Plakat: Es zeigt Hauptdarsteller Woody Harrelson in der Pose des gekreuzigten Jesus vor der US-Flagge. „Der Mondmann“ (1999) mit Jim Carrey als Komiker Andy Kaufman geriet zum Flop, begeisterte aber die Filmkritiker.

Danach trat Forman nur noch selten in Erscheinung. Etwa 2011 als Schauspieler neben Catherine Deneuve in „Die Liebenden“. Zuletzt lebte er zurückgezogen in Connecticut, wo er nach kurzer Krankheit starb.