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15.04.2018, 17:36 Uhr KOMMENTAR

Wie sieht der Echo der Zukunft aus?

Kommentar von Ralf Döring

Spricht aus, was viele denken: Campino kritisiert bei der Echo-Gala vergangenen Donnerstag Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung. Foto: Jörg Carstensen/dpaSpricht aus, was viele denken: Campino kritisiert bei der Echo-Gala vergangenen Donnerstag Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Osnabrück. Ein Legitimationsproblem hat der Echo schon länger. Nach dem Echo für Kollegah und Fared Bang wird allerdings deutlich, wie dringend der Preis reformiert werden muss. Ein Kommentar.

Spät, sehr spät, erkennen die Echo-Verantwortlichen beim Bundesverband Musikindustrie (BVMI), wie reformbedürftig ihr Preis ist. Denn der ganze Sturm der Entrüstung über den Preis für Kollegah und Farid Bang hat sich an dem Umstand entfacht, dass beim Echo die Regeln des Kommerzes eine wichtigere Rolle spielen als künstlerische –von ethischen Grenzen ganz zu schweigen.

Dabei ist die Echoplakette durchaus ein verkaufsförderndes Element. Deshalb spielten Musiker in der Vergangenheit das Spiel mit. Mit den beiden Rappern hat der Echo aber seine Unschuld verloren: Ändert sich nach Kollegah und Farid Bang nichts, werden die Teilnahme oder das Fernbleiben an der Gala zum gesellschaftspolitischen Statement.

Will sich der Echo nicht abschaffen, muss er deshalb Qualitätskriterien in den Fokus rücken. Dann wird über Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und frauenverachtende Botschaften diskutiert, aber kein Preis dafür vergeben. An uns allen aber ist es, eine Gesellschaft zu gestalten, die den kommerziellen Erfolg solcher Botschaften verhindert.


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