Jubiläumsschau öffnet 200 Jahre Marie und Georg von Hannover: Heiße Liebe im kühlen Schloss

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Hannover . Auf dem Welfensitz Schloss Marienburg in Pattensen bei Hannover öffnet die neue Ausstellung „200 Jahre Marie und Georg von Hannover“ mit gut 50 Exponaten aus dem Privatbesitz des letzten hannoverschen Königspaares. Anlass ist der 200. Geburtstag von Königin Marie, die am 14. April 1818 zur Welt kam. Eine ganz besondere Frau, wie ihr Urururenkel Ernst August Erbprinz von Hannover zu berichten weiß.

Wer seinen Wagen auf dem unteren Parkplatz abstellt und die letzten zweihundert Meter hoch zum Schloss Marienburg zu Fuß geht, fühlt sich mit jedem Schritt, der näher zum Schloss führt, mehr in eine Märchenwelt versetzt. Kein Wunder, denn das Schloss, das König Georg V. (1819 bis 1878) seiner geliebten Ehefrau Marie (1818 bis 1907) zu ihrem 40. Geburtstag schenkte, sieht genau aus, wie man sich ein Märchenschloss vorstellt: mit mächtigen neugotischen Toren, dicken Türmen, verspielten Fenstern, Erkern und Zinnen und natürlich mit einem wunderbar romantischen Innenhof. Und so romantisch, wie das beeindruckende Königsschloss, das Jahr für Jahr 200000 Besucher anzieht, war auch die Liebe zwischen Georg und seiner Marie.

Verliebt auf Norderney

Die außergewöhnliche Beziehung dieses Paars ist es auch, die die neue Ausstellung „200 Jahre Marie und Georg von Hannover“ so besonders macht. Die armdicken Mauern mögen das Innere des Schlosses kühl halten, die Liebe dieses Paars, das sich ganz unarrangiert erst in Hannover kennengelernt und dann in der Sommerfrische auf Norderney verliebt hatte, war heiß und innig. Wie innig, verrät das Paar selbst in einigen gelungen vertonten Briefen, in denen Marie ihren im Wiener Exil ausharrenden, „heißgeliebten Männi“ schmerzlich vermisst – und er sie ebenso. Und auch wenn die Schenkungsurkunde, die beweist, dass der Marienberg samt königlichem Schloss Maries Privateigentum war, das Herzstück dieser neuen Ausstellung bildet, so richtig zu Herzen gehen vor allem diese sehr privaten, sehnsuchtsvollen Briefe.

Tragisch: Warum Georg früh erblindete

Doch natürlich bietet die Schau noch viel mehr. Pünktlich zu Maries Geburtstag, der sich am 14. April zum 200. Mal jährt, öffnet die neue Ausstellung auf dem Welfensitz mit rund 50 Exponaten, die Einblicke geben in die private Welt des letzten hannoverschen Königspaares. Man erfährt, warum Georg schon in jungen Jahren auf tragische Weise erblindete (durch eine Augenentzündung und einen Unfall beim Spielen), weshalb er dennoch König wurde und wie er und Marie zusammengefunden haben.

Prinzessinnenkleidchen und große Gemälde

Zu entdecken sind bei dem Rundgang durch neun Gemächer des Obergeschosses, den sogenannten Königinnenflügel, persönliche Gegenstände des Paares und seiner drei Kinder, etwa der hölzerne Reisekoffer Maries mit eingeprägtem „M“, Kleider des kleinen Erbprinzen und der kleinen Prinzessinnen, Spielzeug, historische Dokumente und selbstverständlich Bilder, vom kleinen Porträt bis zum wandfüllenden Familiengemälde.

Ernst August: „Marie war eine bemerkenswerte Frau“

Dass dem heutigen Schlossherr, Ernst August Erbprinz von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, die Jubiläumsausstellung zu Ehren seiner Urururgroßmutter Marie und ihrem Ehemann König Georg V. besonders am Herzen liegt, merkt man ihm beim Rundgang durch die wunderschön und authentisch gestalteten Gemächer an. „Königin Marie war eine bemerkenswerte Frau, die sich auch schon mal der Hofetikette widersetzte. Ich freue mich, dass die Besucher Marie und Georg einmal ganz anders kennenlernen können“, so Ernst August.

Gegen die Etikette

Und tatsächlich, Marie überrascht mit einem für die damalige Zeit ungewöhnlichem Fortschritt, indem sie etwa auf Ammen verzichtete und ihre Kinder selbst stillte. Auch ihr Engagement für Arme wird bei der Ausstellung betont, ebenso die weniger bekannten Talente ihres Mannes, beispielsweise als Pianist und Komponist, der mehr als 200 Musikstücke geschrieben hat.

Interesse ungebrochen

Es ist zu erwarten, dass die liebevoll, aber nicht überladen arrangierte Ausstellung wie ihre Vorgänger Hunderttausende Besucher anlocken wird. Denn das Interesse am Haus Hannover ist groß. Wie groß, weiß auch der heutige Hausherr von Schloss Marienburg, Ernst August, der im vergangenen Jahr bei einer viel beachteten Traumzeremonie in Hannover seine langjährige Freundin Ekaterina geheiratet hat. Im Februar kam Tochter Elisabeth zur Welt. Ob die Spielsachen und Kleidchen der kleinen Elisabeth in einigen hundert Jahren vielleicht auch in einer Ausstellung bestaunt werden? Wer weiß, wer weiß.


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