Kultur- oder Geisterstadt? Tunesien eröffnet umstrittene Kulturstadt

Von dpa


            

            

              Dunkle Wolken über Tunis: Die etwa 44 Millionen Euro teure Kulturstadt eröffnet nach 16 Jahren Bauzeit. 

            

              
                Foto: dpaDunkle Wolken über Tunis: Die etwa 44 Millionen Euro teure Kulturstadt eröffnet nach 16 Jahren Bauzeit. Foto: dpa

Tunis. Der Bau im Herzen von Tunis ist eine Mischung aus Pharaonenpalast, Klassizismus und Einkaufszentrum in Dubai. Wie ein Pokal ragt ein 65 Meter hoher Turm mit blau-grüner Glaskugel aus dem Komplex. Der Blick geht von dort auf das Meer, aber auch über die verwitterten Betonfassaden der 1960er- und 70er-Jahre, um die sich niemand kümmert.

Schon unter dem früheren Diktator Zine el-Abidine Ben Ali kamen in den 90er-Jahren Pläne für die „Kulturstadt“ auf, in der Film, Oper, Theater, Konzerte unter einem Dach vereint werden sollten. Ende März wurde das Haus nach gut 16 Jahren eröffnet. „Das ist ein Stolz für ganz Tunesien, ein historischer Moment“, sagte Kulturminister Mohamed Zine el-Abidine.

In einem Land wie Tunesien, das gerade einmal ein gutes Dutzend Kinosäle hat, ist das Projekt, das etwa 130 Millionen Dinar (etwa 44 Millionen Euro) gekostet hat, ambitioniert. Zwei Kinos gibt es in der neuen „Cité de la Culture“, drei Theater, einen großen Saal für 1800 Zuschauer und ein Museum für zeitgenössische Kunst. Staatspräsident Beji Caid Essebsi wird auf der Internetseite des Projekts mit einem Grußwort zitiert: „Kultur ist kein Luxus, sondern lebenswichtig für jede freie und ambitionierte Gesellschaft.“

Doch bei Kritikern stößt gerade der luxuriöse Bau auf Kritik, da Tunesien mit großen wirtschaftlichen Problemen kämpft und Geld anderswo dringender gebraucht werde.

Künstler und Intellektuelle in Tunis fürchten zudem, dass die Kultur- zu einer Geisterstadt werden könnte, wenn sich der erste Rummel gelegt hat. Die aktuellen Kinovorführungen sind kaum besucht.

Dabei verändert sich die Kulturszene in Tunesien, beobachtet Judith Mirschberger, Leiterin des Goethe-Instituts in Tunis. „Die Kulturszene im Land dümpelt daher“, sagt sie. Gerade in den Regionen abseits der Hauptstadt gebe es kaum innovative Projekte. Aber mittlerweile entstehe eine Art Mäzenatentum, und auch die Filmszene habe sich zuletzt positiv entwickelt. „Die Herausforderung wird sein, nicht nur die alten Kader zu berücksichtigen, sondern auch die junge Szene einzubinden und Experimente zuzulassen“, sagt Mirschberger.