Reise in die Vergangenheit des Rock’n’Roll Nagelschmidt und Blunck: Jetzt auch Lesungen im Popsalon

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Thorsten Nagelschmidt
              
                Foto: imago/Future ImageThorsten Nagelschmidt Foto: imago/Future Image

Osnabrück. Damit das Programm des Popsalons noch abwechslungsreicher wird, werden in diesem Jahr zwei Lesungen stattfinden. Am Freitag und am Samstag werden am frühen Abend zwei Musiker aus ihren aktuellen Büchern vorlesen: Thorsten Nagelschmidt und Timo Blunck.

Wenn sich prominente Politiker wegen fortgeschrittenen Alters aus dem aktuellen Geschäft verabschieden, fangen sie an, Bücher zu schreiben. Mittlerweile gibt es auch eine ganze Menge Musiker, die ihre Erinnerungen autobiografisch niederschreiben oder ihre Erlebnisse aus der wilden Rock’n’Roll-Zeit in Romanform für die Nachwelt konservieren. Meistens sind diese Bücher sehr unterhaltsam, denn man erfährt, wie sich die Orgien gestalten, die Rockstars hinter verschlossenen Türen zelebrieren.

Was allerdings Realität und was Fiktion ist, kann man meist nur dann beurteilen, wenn man mit Augenzeugen spricht. Dazu lädt jetzt der Popsalon ein. Erstmals haben sich die Veranstalter nämlich entschlossen, das Format „Lesung“ in das Programm des Entdeckerfestivals aufzunehmen. Heute und morgen werden am frühen Abend zwei Musiker aus ihren aktuellen Büchern vorlesen: Thorsten Nagelschmidt und Timo Blunck.

Nagelschmidt stammt aus Rheine und wurde als Sänger, Gitarrist und Texter der Band Muff Potter bekannt. Schon als seine Band noch existierte, veröffentlichte er unter dem Spitznamen „Nagel“ seinen ersten autobiografischen Roman: „Wo die wilden Maden graben“ hieß das amüsante Werk über den Sänger einer Punkband. Mittlerweile gibt es Muff Potter nicht mehr, dafür hat Nagelschmidt bereits seinen vierten Roman abgeliefert, der den Titel „Der Abfall der Herzen“ trägt. Darin erinnert sich der Autor an den Sommer 1999, „als man im Regionalexpress noch rauchen durfte und nur Angeber ein Handy hatten“. Den Roadtrip in die wilde Vergangenheit gestaltet Nagelschmidt wie eine Spurensuche.

„Wir haben in den vergangenen Jahren bereits zwei Lesungen mit Nagel veranstaltet, daher wollten wir sein Angebot, mit dem neuen Buch nach Osnabrück zu kommen, auf jeden Fall annehmen“, erklärt Guido Remmert von der Agentur Zukunftsmusik, die das Indoorfestival organisiert. Auf die Idee, die Lesung in den Popsalon zu integrieren, kam er im Gespräch mit seinen Kollegen. „Dadurch wird das Programm noch vielfältiger“, meint Remmert. Also ging er auf die Suche nach einem weiteren Autor. Und stieß auf Timo Blunck.

Der Mann kennt die Musikwelt aus einer anderen Epoche: Als Musiker erlebte er den Rock-’n’-Roll-Zirkus in 80er-Bands wie Ede & die Zimmermänner oder Palais Schaumburg. Aber auch als Produzent für Bands wie Fehlfarben oder The Monochrome Set machte er einschlägige Erfahrungen. 2014 zwang ihn eine akute Erkrankung, drei Gänge zurückzuschalten. Gerade noch mal dem Sensemann von der Schippe gesprungen, entschloss er sich, ein Buch zu schreiben. „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?“ heißt es. Darin tummelt sich ein gewisser T-Bone Schröder, der durch alle Betten hoppelt und keine Droge auslässt. Sicherlich darf an dem Abend, an dem Blunck aus seinem Buch liest, die Frage gestattet sein, inwiefern es sich bei Schröder tatsächlich um das Alter ego des Schreibers handelt oder ob beim Schreiben der Geschichte vielleicht manchmal die Fantasie mit ihm durchgegangen ist.

Jedenfalls scheinen beide Lesungen nicht nur für Vertreter der Generationen interessant zu sein, denen die Schreiber angehören, sondern auch für junge Leute, die auf der Suche nach der „Wahrheit“ hinter den Kulissen des Showgeschäfts sind.

Popsalon – Lesungen im StadtgalerieCafé: Freitag, 18 Uhr, Thorsten Nagelschmidt, Samstag, 18 Uhr, Timo Blunck.


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