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12.04.2018, 17:39 Uhr KOMMENTAR: KULTUR IN TUNIS

Kultureller Frühling?

Kommentar von Christine Adam

Wohin entwickelt sich Tunesien heute? Passantinnen gehen in Sidi Bouzid an mit Graffiti besprühten Mauern vorbei. 2010 gab die Verzweiflungstat eines jungen Gemüsehändlersaus dem tunesischen Ort Sidi Bouzid die Initialzündung für den

            
„Arabischen Frühling“. Mohamed Bouazizi hatte sich aus Verzweiflung über Behördenwillkür in Brand gesteckt. Foto: dpaWohin entwickelt sich Tunesien heute? Passantinnen gehen in Sidi Bouzid an mit Graffiti besprühten Mauern vorbei. 2010 gab die Verzweiflungstat eines jungen Gemüsehändlersaus dem tunesischen Ort Sidi Bouzid die Initialzündung für den „Arabischen Frühling“. Mohamed Bouazizi hatte sich aus Verzweiflung über Behördenwillkür in Brand gesteckt. Foto: dpa

Osnabrück. Die Zukunft der neuen „Kulturstadt“ im Herzen von Tunis hängt sicher davon ab, welche Art von Kultur darin eine breite Akzeptanz erfährt – ein Kommentar.

Hält die repräsentative Kultur des früheren Regimes dort Einzug, dann droht das teure Prestigeobjekt vom gestürzten Diktator Ben Ali zur ungeliebten Geisterstadt zu werden. Der architektonische Luxus des Komplexes verkäme dann leicht zum Symbol für Überlebtes und Verhasstes. Zumal Tunesien finanziell andere Sorgen hat, als einen dann überflüssigen Kulturtempel kostenträchtig zu erhalten.

Anders wäre die Lage, wenn die Bevölkerung die „Kulturstadt“ zu ihrem Magneten machen könnte. Drei Kinos, drei Theater, ein Kunstmuseum, dazu Opern-, Konzert- oder Ballettaufführungen: Das hat das Potenzial für eine neue Heimat der aktuellen Kunstszene. Zumal auch Probenräume an Musiker vergeben werden könnten.

Kultur als Lebenselixier für jede freie Gesellschaft – wenn Staatspräsident Beji Caid Essebi seine Aussage ernst meint, dann könnte ein „kultureller Frühling“ vom optisch antiquierten Palast ausgehen. Das gebeutelte Land kann ihn gebrauchen.


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