Fanatischer Streiter gegen Rechts „Wildes Herz“: Porträt über Monchi und seine Band Feine Sahne Fischfilet

Von Tom Bullmann

Begeistern bei ihren Konzerten Tausende Fans: die Punkband Feine Sahne Fischfilet um ihren Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow. Foto: Neue Visionen FilmverleihBegeistern bei ihren Konzerten Tausende Fans: die Punkband Feine Sahne Fischfilet um ihren Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow. Foto: Neue Visionen Filmverleih

Osnabrück. Schauspieler Charlie Hübner dreht sein Regiedebüt über Jan „Monchi“ Gorkow, den polarisierenden Sänger der Ska-Punk-Band Feine Sahne Fischfilet.

Zwei junge Menschen stehen in einem Supermarkt und begutachten das Angebot an Präsentkörben. „Der hier ist doch optimal, mit Bohnenkaffee und Leberwurst“, sagt der eine, während der andere an der Kasse meint, den Bon müsse man aufbewahren, weil man das Geld für den Korb von der Steuer absetzen könne.

Die Handelnden sind Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, und Artur Schock, seines Zeichens Mitarbeiter der Plattenfirma Audiolith. Mit dem Präsentkorb im Arm ziehen die beiden zum Sitz der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns in Schwerin, um sich mit dem „Geschenk“ beim Verfassungsschutz des Landes für die Aufmerksamkeit zu bedanken, die die Behörde der Band beschert hatte: Jahrelang waren Feine Sahne Fischfilet als linksextreme Band im Verfassungsschutzbericht des norddeutschen Landes geführt worden. „Das war eine tolle Werbung, jetzt brauche ich nicht mehr zu arbeiten“, erzählt Monchi mit breitem Grinsen dem Pressesprecher der Landesregierung, der den Präsentkorb samt Infos und aktuellem Album der Band hochoffiziell entgegennimmt.

Die Szene ist Teil des Films „Wildes Herz“, der am Donnerstag in die Kinos kommt. Der Dokumentarfilm über Monchi Gorkow und seine Band ist das Regiedebüt des Schauspielers Charlie Hübner. „Charlie hat mal eine Folge von ‚Polizeiruf 110‘ in Rostock gedreht. Auf Umwegen hat er dort unseren Sänger Monchi kennen gelernt. Dann hat er uns über mehrere Jahre immer mal wieder mit seinem Filmteam besucht, sodass man sich diese Zeit jetzt quasi wie im Zeitraffer angucken kann“, erzählt Jacobus North, Trompete-Spieler der Band, über das Zustandekommen des Films. Herausgekommen ist das sehenswerte Porträt eines Menschen, der sich vom jugendlichen Hooligan zum fanatischen Streiter gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie entwickelt.

Als Junge festgenommen

Eltern beschreiben ihr Kind als „sehr aktiv“ und schon früh fußballbegeistert. Intensiv schildern sie ihre Fassungslosigkeit, als ihr Sohn schon als 14-Jähriger festgenommen wird, weil er mit einer Horde Hansa-Rostock-Hooligans in Dortmund randaliert hatte. Kaum einer ahnte damals, dass Jan einmal Sänger einer polarisierenden Ska-Punk-Band werden sollte, der seine Auftritte gerne dazu nutzt, explizit seine politische Gesinnung öffentlich zu machen. Als er in den ersten Tagen der Band merkte, dass Neonazis Gefallen an dem rüden Punk fanden, bei dem „Saufen und Ficken“ als Lebensinhalt propagiert wurde, machte er eine Zäsur. „Du musst dich positionieren“, wurde Monchi sich bewusst. Seither ist seine Botschaft eindeutig. „Feine Sahne Fischfilet ist eine christliche Urband wie seiner Zeit Ton Steine Scherben“, ist ein Pastor überzeugt, der sich in dem Film äußert.

Neutral, geradezu nüchtern beschreibt Hübner mit seinen Bildern einen Menschen, der einfach nicht seine Klappe halten kann. In schonungslosen Nahaufnahmen lässt der Regisseur den Missionar in Sachen Antifaschismus zu Wort kommen. Seine Exfreundin bezeichnet ihn als Narzissten, und ein Mitbewohner beschwert sich über egoistische Neigungen. Andererseits sieht man aber auch einen sympathischen Sänger, der in Anklam ein Konzert organisiert, um ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen: zusammen mit Rapper Marteria und Campino von den Toten Hosen.

„Wildes Herz“ ist mehr als nur ein Porträt oder Musikfilm. Die eineinhalbstündige Produktion zeigt ein Stück bundesrepublikanische Realität, die von Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit geprägt ist, aber auch von der Notwendigkeit, sich zu positionieren.


Wildes Herz. Dokumentarfilm über den Sänger Jan „Monchi“ Gorkow und seine Band Feine Sahne Fischfilet. D 2017. R: Charlie Hübner. 94 Minuten. Ab 12 Jahren.