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10.04.2018, 17:53 Uhr KOMMENTAR: FRIEDENSNOBELPREIS

Kommentar zum Friedensnobelpreis: Frischer Wind gefragt

Von Christine Adam


Auch der frühere Ständige Sekretär der schwedischen Akademie, Peter Englund, bleibt den Sitzungen des Literaturnobelpreis-Komitees fern. Foto: dpaAuch der frühere Ständige Sekretär der schwedischen Akademie, Peter Englund, bleibt den Sitzungen des Literaturnobelpreis-Komitees fern. Foto: dpa

Osnabrück. Es mag ja sein, dass das Renommee des Literaturnobelpreises bislang nicht beschädigt ist. Aber der aktuelle Skandal in den Reihen des Komitees verstärkt eine schon seit vielen Jahren schwelende Skepsis.

Es mag ja sein, dass das Renommee des Literaturnobelpreis es bislang nicht beschädigt ist. Aber der aktuelle Skandal in den Reihen des Komitees verstärkt eine schon seit vielen Jahren schwelende Skepsis. Große US-amerikanische Schriftsteller, die auffällig systematisch übergangen werden, eine immer wieder fragwürdige Auswahl, zuletzt die des Sängers Bob Dylan, und die gehäufte Verwechslung des Literatur- mit dem Friedensnobelpreis für soziales Engagement: Das zeugt von einer gewissen Urteilsunsicherheit, was die Literatur als Kunstgattung angeht.

Wenn jetzt auch noch ein Streit um Korruption eines Akademiemitgliedes die Reihen der geschrumpften „Achtzehn“ spaltet, wer mag dann noch an eine Auswahl einzig und allein im Dienste der Literatur glauben? Grüppchen, die sich untereinander bekämpfen – nichts ist geeigneter, die Sachautorität dieses Gremiums zu unterlaufen.

Vielleicht sollte König Carl Gustaf tatsächlich für Mitgliederaustausch und frischen Wind im Nobelkomitee sorgen. Vielleicht stärkt das die Urteilskraft des Gremiums – und das Vertrauen der Weltöffentlichkeit.


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