Ein Bild von Ralf Döring
09.04.2018, 16:52 Uhr KOMMENTAR

Ein Trojaner namens Marx

Kommentar von Ralf Döring

Lockerer Umgang mit dem Vater des Kommunismus: Eine Karl-Karx-Figur leuchtet an einer Fussgängerampel in unmittelbarer Nähe der Karl-Marx-Statue in Trier. Für die Signalanlage wurde LED-Technik eingesetzt und Schablonen eingebaut, die mittels Lasertechnik gefräst wurden. Foto: Harald Tittel/dpaLockerer Umgang mit dem Vater des Kommunismus: Eine Karl-Karx-Figur leuchtet an einer Fussgängerampel in unmittelbarer Nähe der Karl-Marx-Statue in Trier. Für die Signalanlage wurde LED-Technik eingesetzt und Schablonen eingebaut, die mittels Lasertechnik gefräst wurden. Foto: Harald Tittel/dpa

Osnabrück. Die Stadt Trier hadert mit einem Geschenk aus China: Die große Karl-Marx-Statue kommt nicht bei allen gleichermaßen gut an. Dabei hat der Philosoph eine differenzierte Betrachtung verdient. Ein Kommentar.

Israel hat Richard Wagner aus dem öffentlichen Musikleben verbannt, denn er wird mitverantwortlich gemacht für die Grausamkeiten, die Deutschland dem jüdischen Volk zugefügt hat. Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft legt Karl Marx erfahrenes, bitteres Leid zur Last, deshalb soll Trier kein Marx-Denkmal bekommen. So entpuppt sich das Geschenk aus China als Trojaner: Die Statue steckt voller Sprengstoff, der die Menschen in Befürworter und Gegner spaltet.

Nun war Marx die Theorie, die DDR, die Sowjetunion und China waren die Praxis. Und in der Praxis haben kommunistische Machthaber die Theorien des Trierer Philosophen ignoriert, missgedeutet und im Sinne ihrer Gewaltherrschaften zurechtgebogen. Doch „Das Kapital“ enthält so wenig eine Anleitung zur Errichtung totalitärer Gewaltherrschaften, wie im „Ring“ Gestapo und SS vorgeformt sind.

Ob sich die Kluft zwischen beiden Lagern überwinden lässt, ist ungewiss. Israel und Wagner kommen sich jedenfalls keinen Zentimeter näher; zu schwer wiegt Wagners nachweislicher Antisemitismus. Bei Marx liegt der Fall anders: Der hätte es verdient, vom Schmutz des real existierenden Sozialismus befreit zu werden. Dazu könnte das Geschenk aus China wenigstens den Anstoß geben.