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06.04.2018, 16:51 Uhr KOMMENTAR

Echo und Ethik – eine Frage des Timings

Kommentar von Ralf Döring

Sind die böse, oder wollen die nur spielen? Einen Echo durfte Frei.Wild – hier bei einem Fanclub Konzert im Osnabrücker Hyde Park – jedenfalls entgegennehmen. Foto: André HavergoSind die böse, oder wollen die nur spielen? Einen Echo durfte Frei.Wild – hier bei einem Fanclub Konzert im Osnabrücker Hyde Park – jedenfalls entgegennehmen. Foto: André Havergo

Osnabrück. So aufwendig die Musikindustrie die Echos feiert, so harmlos sind sie letztendlich. Nur manchmal gibt es ein bisschen Aufregung um böse Künstler. Doch dafür gibt es mittlerweile einen Ethik-Beirat. Der tagt allerdings manchmal ein bisschen spät. Ein Kommentar.

Wenn man so will, sind die Echos genau die Preise, die das Publikum will. Zumindest die Nominierungen richten sich nach einem einzigen Kriterium: den Verkaufszahlen. Ein Echo spiegelt also ziemlich genau den den Publikumsgeschmack wider; eigentlich ein höchst demokratisches Verfahren. Demnach müssen wir allerdings auch hinnehmen, wenn Bands nominiert werden, die uns nicht so genehm sind, Rapper mit geschmacklosen Texten an der Grenze zum Antisemitismus, zum Beispiel. Das ist wie mit der AfD in den Parlamenten: Die müssen wir auch akzeptieren.

Nun testen Künstler immer wieder Grenzen aus – die der Meinungsfreiheit wie die des guten Geschmacks. Sie schießen dabei übers Ziel hinaus – und es gibt Gremien, die genau darüber wachen. Der Ethik-Beirat des Echo hat nun Kollegah und Farid Bang gewisse Geschmacklosigkeiten attestiert, die sich aber gerade noch im Rahmen des Zulässigen bewegen – gut so. Noch besser wäre es allerdings, wenn das Gremium grundsätzlich darauf achtet, was beim Echo los ist, und nicht erst, wenn die „Bild“ darüber berichtet hat.


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