Antisemitismus-Debatte Farid Bang und Kollegah bleiben für Echo nominiert

Von dpa

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Umstritten: die Rapper „Kollegah“ (links) und Farid Bang. Foto: dpaUmstritten: die Rapper „Kollegah“ (links) und Farid Bang. Foto: dpa

Berlin. „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“: Diese Zeile in einem Song der Rapper Farid Bang und Kollegah sorgt für Empörung. Trotzdem bleiben die Künstler weiter für den Echo nominiert, wie der Ethikbeirat des Musikpreises entschieden hat.

Es ist eine Entscheidung für die Freiheit der Kunst, dennoch dürfte sie auf viel Widerspruch stoßen: Trotz eines als antisemitisch kritisierten Songs bleiben die Rapper Kollegah und Farid Bang für den Musikpreis Echo nominiert. Das entschied der Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BMI), sprach aber ausdrücklich von einem „absoluten Grenzfall“. Farid Bang reagierte mit einem breiten Smiley auf seiner Facebook-Seite: „Wir sehen uns beim Echo.“

In dem umstrittenen Song „0815“ geht es vor allem um die Zeile: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text „nicht so wesentlich übertreten“, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre, befand der Beirat mehrheitlich. Der Beiratsvorsitzende Wolfgang Börnsen machte aber unmissverständlich deutlich, wie schmal der Grat für das Votum war. Die Wortwahl einiger Texte der Düsseldorfer Deutsch-Rapper sei provozierend, respektlos und voller Gewalt, erklärte er. „Sie als Stilmittel des Battle-Raps zu verharmlosen lehnen wir ab.“

Dennoch hielt der Beirat einen formalen Ausschluss „nach intensiver und teilweise kontroverser Diskussion“ mehrheitlich nicht für den richtigen Weg, so Börnsen. Nicht nur in der Musik, auch in anderen Kunstbereichen gebe es zunehmend „eklatante Tabubrüche“. Dies müsse jedoch in einer breiten gesellschaftlichen Debatte aufgegriffen werden.

Für den BMI erklärte der Vorsitzende Florian Dücke: „Wir respektieren die Entscheidung (des Beirats), auch wenn die Sprache des Albums nicht unsere ist und wir Verständnis dafür haben, dass es viel Betroffenheit gibt.“ Allerdings sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vergabe des Echo auf Verkaufszahlen basiere.

Das fragliche Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ hatte schon vor seinem Erscheinen Anfang Dezember mit mehr als 100000 Verkäufen Goldstatus erreicht. Bei der Echo-Verleihung ist es in den beiden Kategorien Bestes Album und deutscher Hip-Hop nominiert.

Farid Bang hatte sich nach Bekanntwerden der Kritik auf seiner Facebook-Seite für mögliche Verletzungen entschuldigt. Kollegah und er würden sich von „jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten“ distanzieren. Kollegah erklärte, jüdische Fans hätten ab sofort auf Lebenszeit freien Eintritt zu jedem Konzert des Duos.


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