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04.04.2018, 17:22 Uhr KOMMENTAR

Sind Filmkritiker mürrisch oder sensibel? Beides!

Kommentar von Ralf Döring

Unbequem: Journalisten können manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Aber genau das ist ihr Job – so wie hier bei einer Filmpremiere in Cannes. Foto: dpaUnbequem: Journalisten können manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Aber genau das ist ihr Job – so wie hier bei einer Filmpremiere in Cannes. Foto: dpa

Der Leiter der Filmfestspiele in Cannes will nicht nur Selfies auf dem roten Teppich verbieten, sondern auch Vorab-Pressevorführungen von Filmen. Darauf reagieren die Filmkritiker verärgert, und das zurecht. Ein Kommentar.

Wir Journalisten wirken ja manchmal ziemlich mürrisch. In Wahrheit aber sind auch ziemlich sensibel. Zumindest, wenn jemand die Pressefreiheit beschneiden will: Wittern wir auch nur einen leisen Hauch von Einschränkung, schlagen wir Alarm. So wie jetzt über das Ansinnen, die Vorab-Pressevorführungen von Filmen beim Filmfestival in Cannes zu streichen.

Tatsächlich gehören Pressevorführungen zum Alltag eines Filmkritikers. Manchmal koppeln Filmverleihe die Veröffentlichung von Kritiken an den Starttermin – auch das ist schon ein Eingriff in unsere Freiheiten. Aber Leserinnen und Leser wollen eine Filmkritik sowieso erst lesen, wenn der Film in die Kinos kommt und nicht zwei Monate vorher. Insofern sind diese Sperrfristen folgenlos wie ein Überholverbot auf einem Feldweg.

Den Leiter des Festivals in Cannes, Thierry Frémaux, treibt ohnehin ein anderes Motiv: Missliebige Kritiker sollen die Feierlaune nicht stören – als wären Journalisten für schlechte Filme verantwortlich. Was wiederum zeigt, wie unbequem Presse sein kann – und genau das ist ihre Aufgabe. Deshalb reagieren wir völlig zurecht mürrisch, wenn jemand uns vorschreiben will, wann wir berichten dürfen und wann nicht.