Doku „Die Nacht der Nächte“ im Kino Vier Paare verraten das Geheimnis ihrer Liebe

Von Tobias Suderdiek

Haben sich gegen das Kastensystem in Indien aufgelehnt: Yasemin und Nesrin Samdereli. Foto: ConcordeHaben sich gegen das Kastensystem in Indien aufgelehnt: Yasemin und Nesrin Samdereli. Foto: Concorde

Osnabrück. In „Die Nacht der Nächte“ untersuchen die beiden Samdereli-Schwestern Yasemin und Nesrim, was Paare über 50 Jahre lang zusammenhält.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Mal ist sie flüchtig, manchmal braucht sie Jahre, um zu reifen, und wenn man Glück hat, hält sie ein ganzes Leben lang. Und genau dieses Glück steht im Mittelpunkt einer Dokumentation, die vier Paare betrachtet, die seit mehr als 50 Jahre zusammen sind.

Da ist etwa das japanische Paar Shigeto und Isao, das Anfang der 60er Jahre zwangsverheiratet wurde. Sie berichten von den ersten unerfahrenen Versuchen, was körperliche Liebe angeht, von Versäumnissen, aber auch davon, wie sie letztlich doch zueinander fanden.

„Einfach Glück gehabt“

Und wenn der Spruch „Was sich liebt, das neckt sich“ zutrifft, dann auf das präsentierte deutsche Paar Hildegard und Heinz, die bei einer Dose Erdbeeren ihren ersten Sex in einem Zelt am Nürburgring hatten. „Schmusen“ nennen sie es. Und Heinz meint dazu, er habe einfach Glück gehabt – „wie beim Skat“.

Besonders viel lachen Kamala und Nagarajayya. Da in Indien das Kastensystem sehr streng ist, hat das Paar eine List angewandt, um sich gegen den Widerstand der gesellschaftlich entfernten Familien, vermählen zu können. Ihre Hochzeit war zweifellos eine Liebesheirat.

Liebe als politischer Akt

Aber auch anderswo kann die Liebe zum politischen Akt werden. Etwa in den USA. Nachdem sie 53 Jahre lang zusammenlebten, konnten Norman und Bill endlich heiraten. Zuvor musste der eine den anderen erst adoptieren, um Informationen bei einem möglichen Krankenhausaufenthalt bekommen zu können. Da war der eine 63, der andere 61 Jahre alt. Nicht nur die Liebe, auch das Gesetz geht oft sonderbare Wege.

Und so endet der Dokumentarfilm der Samdereli-Schwestern Yasemin und Nesrim ( „Almanya – Willkommen in Deutschland“) mit, wie könnte es anders sein bei dem Thema, einem Happy End. Bill und Norman können sich das „Ja“-Wort geben, als eines der ersten schwulen Paare in Pennsylvania.

Woody Allen hat mal gesagt, lebenslange Liebe gäbe es nur bei den Tauben. Oder den Katholiken. Wie schön, dass ihn dieser Film widerlegt.

Zwischendurch durch Knetgummianimationen kommentierend, ist „Die Nacht der Nächte“ vor allem ein wunderbares „Date-Movie“, und das (nicht nur) für das erste Rendezvous, sondern auch, um generell Frühlingsgefühle zu wecken. Und das in jedem Alter.