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28.03.2018, 17:56 Uhr KOMMENTAR

Ist Richard Wagner Gott oder Dämon?

Kommentar von Ralf Döring

Wenn Richard Wagner ein Gott ist, dann ist das seine Kathedrale: Das Festspielhaus in Bayrueht. Foto: Daniel Karmann/dpaWenn Richard Wagner ein Gott ist, dann ist das seine Kathedrale: Das Festspielhaus in Bayrueht. Foto: Daniel Karmann/dpa

Der junge israelische Dirigent Omer Meir Wellber will Richard Wagner entmystifizieren. Doch genügt das, um den Komponisten in Israel aufführbar zu machen? Ein Kommentar.

Wäre Richard Wagner kein gottgleiches Wesen, sondern ein ganz normaler Dirigent – würde sich Israel tatsächlich leichter mit dem Komponisten tun? Der junge Dirigent Omer Meir Wellber stellt da eine steile These auf, aber tatsächlich wäre es ja wünschenswert, wenn es so käme. Denn große Musik hat er, bei aller Weitscheifigkeit, in jedem Fall geschrieben.

Das Problem ist nur: Nicht Wagners Gottkomponistentum ist Israelis und Juden ein Dorn im Auge, sondern der Antisemitismus, zu dem sich der Komponist immer wieder offen bekannte. Ihm die Verantwortung für den Holocaust in die Schuhe zu schieben, schießt allerdings übers Ziel hinaus. Das ist die Konsequenz der Instrumentalisierung durch Nazi-Deutschland: daran haben zwar seine Nachkommen fleißig mitgewirkt. Er selbst aber konnte sich nicht dagegen wären.

So kann man von der Person Wagner die Hybris abziehen, die Arroganz, die Chuzpe, mit der er Freunde, Feinde, Geldgeber an der Nase herumführte: Der Antisemit bleibt. Und die Frage: Würde mit der Vergötterung Wagners auch seine Dämonisierung enden? Im Übrigen gibt es jede Menge große Musik jenseits von Richard Wagner.


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