Kinofilm startet am Donnerstag Politposse im Kreml: „The Death of Stalin“ eine amüsante Satire

Von Tobias Sunderdiek

Von Trauer keine Spur: Während Josef Stalin (Adrian Mcloughlin) tot auf dem Boden liegt, beratschlagen seine Vertrauten, wie das Leben in der Sowjetunion weitergehen soll. Foto: Concorde FilmverleihVon Trauer keine Spur: Während Josef Stalin (Adrian Mcloughlin) tot auf dem Boden liegt, beratschlagen seine Vertrauten, wie das Leben in der Sowjetunion weitergehen soll. Foto: Concorde Filmverleih

Osnabrück. „The Death of Stalin“ gibt sich als Politsatire auf die Terrorherrschaft des 1953 verstorbenen Diktators, die auch nach seinem Ableben fortbesteht.

Er war einer der mächtigsten Männer der Welt – und zugleich einer der brutalsten. Ein Massenmörder. Doch sein Ende war makaber und würdelos. Am 2. März 1953 erleidet Josef Stalin einen Schlaganfall – und liegt, in seiner Datscha vor den Toren Moskaus, in einer Lache aus Urin. Hilflos. Und das im doppelten Sinne. Denn nicht nur muss er den Anfall erleiden, sondern auch die Diskussionen des zusammengerufenen Politbüros. Welche Ärzte dürfen kommen? Was für politischen Auswirkungen wird die Nachricht vom Ableben Stalins auf die Bevölkerung haben? Wer soll in die Fußstapfen des Diktators treten? Fragen, die wichtiger scheinen als die Gesundung jenes Mannes, der aussieht wie ein gütiger Großvater, der aber mit einem einfachen Federstrich tausende ermorden ließ. Und dessen Mordaufträge auch vor den Mitgliedern aus dem engsten Politbürokreis nicht Halt machten. Kein Wunder also, dass die wenig an Stalins Genesung interessiert sind.

 

Als der endlich seinem Anfall erliegt, gilt es, ihm ein pompöses Staatsbegräbnis auszurichten. Derweil wird hinter den Kulissen um die Nachfolge gekämpft. Wird der allseits gefürchtete Geheimdienstchef Beria der neue Sowjetführer? 

 

Der rote Terror als Komödie: „The Death of Stalin“, entstanden nach einem französischen Comic, ist nicht die erste Satire der Filmgeschichte über einen Diktator. Doch im Gegensatz etwa zu Adolf Hitler ist Josef Stalin bisher kaum parodiert worden - schon gar nicht in Russland. Dort besteht in einigen Teilen der Bevölkerung ein Verehrungskult um den Tyrannen, Stalin-Devotionalien sind überall im Land erhältlich.

Ob das der wahre Grund war, warum die französisch-britische Produktion „The Death of Stalin“ von den Moskauer Zensurbehörden verboten wurde? Die offizielle Begründung lautete, der Film mache sich über „die Menschen in Russland lustig“. Dabei könnte nichts falscher sein. Vielmehr macht sich der Film über die Politiker in diktatorischen Machtzirkeln lustig, „das Volk“ bleibt hier nur Staffage. Es darf am Sarg Stalins vorbei defilieren oder für Atmosphäre bei einem Mozart-Konzert sorgen. Ansonsten kreist die Handlung fast vollständig um die zum großen Teil historisch verbürgten Hintergründe im Politbüro. Und die sind in der Tat absurd.

 

So absurd, dass es die oft ins Zotige und Alberne hineingezogene Bearbeitung durch den schottischen Regisseur und Co-Autor Armando Iannucci eigentlich gar nicht bedurft hätte.

 

Zumal in den Momenten, in denen beißende Satire vonnöten wäre, Hektik herrscht, und da, wo auch die bitter-tragischen Auswirkungen des Stalinismus zum Tragen kommen sollten, der Film in den Modus TV-Comedy-Unterhaltung schaltet. Immerhin ist das ein Gebiet, wo Armando Iannucci sich bestens auskennt. Seit Jahren feiert er dort als Erschaffer von Serien wie „Veep“ Triumphe.

 

Dennoch: Als Unterhaltungsfilm gelingen „The Death of Stalin“ immer wieder komische Momente. Zumal auch das vor allem aus britischen Komödianten zusammengestellte Ensemble Bewunderung verdient. Wobei die Idee den hageren Amerikaner Steve Buscemi als untersetzten Chruschtschow zu besetzten vor allem von inszenatorischer Chuzpe zeugt. Schade, dass sich dieser Mut nicht im ganzen Film wiederfindet.