Neu im Kino Ben Stiller ist „Im Zweifel glücklich“

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Im Zweifel glücklich: Ben Stiller und Austin Abrams als Brad und Troy Sloan in Mike Whites Komödie „Brad’s Status“. Foto: Jonathan Wenk, WeltkinoIm Zweifel glücklich: Ben Stiller und Austin Abrams als Brad und Troy Sloan in Mike Whites Komödie „Brad’s Status“. Foto: Jonathan Wenk, Weltkino

Berlin. Hoch lebe das Mittelmaß: Mike Whites Komödie „Im Zweifel glücklich“ verpackt Kritik am westlichen Erfolgsdenken in eine schöne Vater-Sohn-Geschichte. Ben Stiller wird dabei von Austin Adams an die Wand gespielt – und am Ende macht der Film es sich dann auch noch zu leicht.

„Im Zweifel glücklich“: Worum geht‘s?

Brads Sohn Troy steht vor dem Wechsel an die Uni, und gemeinsam unternehmen beide eine Reise zu den Ostküsten-Colleges. Während Troy (Austin Adams) noch alles vor sich hat, zieht sein Vater (Ben Stiller) zerknirscht Bilanz: Was hat er aus sich gemacht? Echten Grund zur Klage hat er nicht: Mit seiner eigenen Non-Profit-Organisation ist Brad seinen Idealen treu geblieben, Frau und Sohn lieben ihn, alle sind gesund. All das entwertet allerdings der Vergleich mit Brads einstigen Kommilitonen: Einer davon fliegt heute als Hedgefonds-Manager im Privatjet um die Welt, der nächste wird als TV-Experte hofiert, ein Dritter ist als Tech-Millionär sogar schon in Rente. Brad stürzt das in tiefe Selbstzweifel, unter denen nicht nur er leidet. Sein ehrgeiziger Aktionismus fordert auch die Gelassenheit des Sohnes heraus.


Ben Stiller: Der Jedermann als Charakterfach

Ben Stiller arbeitet weiter am Typus des Nobodys, der mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit ringt. Als „Greenberg“ (2010) musste er Verantwortung für sein verbummeltes Leben übernehmen. Diesmal lernt er stellvertretend für die westliche Mittelschicht, zufrieden mit dem zu sein, was er hat. Am stärksten ist „Im Zweifel glücklich“ dabei in der Schilderung einer gelingenden Vater-Sohn-Beziehung: Die Nähe der Kindertage ist immer noch vorhanden; einmal kitzelt Brad den erwachsenen Sohn sogar durch. Trotzdem spüren beide, wie das Kräfteverhältnis sich ändert, als der Sohn, vielleicht zum ersten Mal, den Vater stützen muss. Austin Adams, der seine Rolle weniger komödiantisch auslegt als Ben Stiller, ist dabei sogar der überzeugendere Part. Denn obwohl Brad es ist, der die Geschichte mit Kommentaren aus dem Off analysiert, bleibt Stiller immer nah an der Parodie. Dahinter steckt mehr als die Nachbeben seiner Comedy-Vergangenheit; die Karikatur ist schon im Buch des Autors und Regisseurs Mike White angelegt: Sorgen, hinter seinen Möglichkeiten zu bleiben, werden hier immer wieder als grober Materialismus veralbert: In Tagträumen vom Highlife mit blutjungen Bikini-Bräuten quält die Hauptfigur sich unter ihrem eigenen Niveau.

Falscher Trost: „Im Zweifel glücklich“

Dabei ist Brads Perspektive eigentlich eine Stärke des Films. „Im Zweifel glücklich“ kritisiert das Erfolgsdenken der Ellbogengesellschaft nicht anhand der Elite – sondern über die Masse der Mittelmäßigen. Das Leistungsethos tragen schließlich alle. Dagegen empfiehlt die Komödie nun, sich mit den mittleren Sprossen der Erfolgsleiter zu versöhnen. „Du hast genug“, ist die Antwort einer Studentin auf Brads wortreiche Klage über sein angebliches Scheitern. Ganz ohne falschen Trost gelingt die Selbstakzeptanz allerdings nicht. Damit Brad sich am Ende zum kleinen Glück bekennen kann, diskreditiert das Drehbuch sicherheitshalber das große: Der TV-Analyst entpuppt sich als Ekel, der Tech-Millionär säuft, und der neureiche Finanzjongleur ist selbstverständlich ein Betrüger.

Im Zweifel glücklich: Ben Stiller und Austin Abrams als Brad und Troy Sloan in Mike Whites Komödie „Brad’s Status“. Foto: Jonathan Wenk, Weltkino

„Im Zweifel glücklich“. USA 2017. R: Mike White. D: Ben Stiller, Austin Abrams, Michael Sheen. 102 Minuten, keine Altersbeschränkung, Filmstart am 29. März.


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