Endspurt an der Staatsoper Opernklassiker „Don Pasquale“ in Stuttgart gefeiert

Von dpa

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Stuttgart. Der scheidende Intendant Jossi Wieler bringt die tragische Komödie „Don Pasquale“ auf die Bühne. Es ist die vorletzte Premiere mit seinem Regiepartner Sergio Morabito in dieser Spielzeit.

Mit einer neuen Inszenierung des italienischen Opernklassikers „Don Pasquale“ hat das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Staatsoper Stuttgart helle Freude ausgelöst. Die vorletzte Premiere seiner Abschiedsspielzeit als Intendant verlegt Wieler in die moderne Gesellschaft, in der Beziehungskisten auch mal über Handybotschaften ausgetragen werden.

Den 66-jährigen Wieler interessiert besonders die Tragik der Geschichte des begüterten alten Mannes Don Pasquale, der auf eine bitterböse Intrige und auf eine deutlich jüngere Frau hereinfällt. In der Titelrolle des liebestollen und letztlich wieder enttäuschten Mannes überzeugt der Italiener Enzo Capuano (Bass).

Ihre Arbeit legen Wieler und Morabito auch als ein Gedankenspiel über das Alter, die Einsamkeit und den Konflikt zwischen den Generationen an. Sie wollen an der Oberfläche dieses lustigen Verwirrspiels kratzen. Das gelingt im ersten Teil des von Giuliano Carella dirigierten Premierenabends am Sonntag besser als in den letzten gut 40 Minuten nach der Pause, die weniger Tempo und Leidenschaft haben.

Der zweieinhalbstündige Abend dreht sich darum, dass der kinderlose Don Pasquale seinen Neffen Ernesto enterben will, weil dieser Norina (Ana Durlovski) heiraten möchte - eine andere als die für ihn ausgewählte Frau. Als Ernesto überrascht am insgesamt mit großer Begeisterung gefeierten Premierenabend der rumänische Tenor Ioan Hotea, eine Stimme voller Optimismus.

Als Star des Stuttgarter Ensembles sorgt Ana Durlovski in ihrer zweiten Rolle des Abends als fluffige Rüschenbraut Sofrina ganz in Rosa für Lacher. Sie dient sich Don Pasquale als nervöse Jungfrau aus einem Kloster an und entpuppt sich als Femme fatale, die den alten „Opa“ Pasquale nach Strich und Faden ausnimmt, bis der es satt hat. Der Heiratsschwindel fliegt auf, sie gibt sich als Norina zu erkennen - und kommt zu ihrem Ernesto. Durlovski ist da stellenweise so herrlich komisch, dass sich mancher Zuschauer vor Lachen kaum wieder einkriegen konnte.

Die Sängerin aus Mazedonien glänzt nicht nur in diesen urkomischen Momenten mit darstellerischer Höchstleistung. Mit ihrer lebenslustigen Sopranstimme meistert sie anscheinend mühelos verschiedene Frauenbilder.

Die Handlung der musikalisch eingängigen Oper von Gaetano Donizetti (1797-1848) läuft auf einer fein designten Bühne ab mit einem Rondell rotierender grauer Wände und Gitter, die an ein emotionales Gefängnis erinnern. Wie sehr Don Pasquale in der eigenen Erinnerung gefangen ist, zeigt auch ein Kunstgriff am Anfang. Zur Ouvertüre zeigt ein Animationsfilm wie im Kino, dass Don Pasquale in jungen Jahren selbst ein Schicksal wie Ernesto ereilte: Er verzichtete damals auf die Liebe.

Verabschieden will sich Wieler als Intendant dann im Sommer. Am 1. Juli kommt die Oper „Erdbeben.Träume.“ des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa auf die Bühne. Die Uraufführung nach Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili aus dem Jahr 1807“ inszeniert er ebenfalls mit Morabito.


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