Europäische Bühnenbauten im Architekturmuseum Ausstellung in Frankfurt: Viel Theater um viel Geld

Von Christian Huther

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Schauspiel und Oper teilen sich in Frankfurt ein Gebäude. Foto: Daniel Reinhardt/dpaSchauspiel und Oper teilen sich in Frankfurt ein Gebäude. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Frankfurt. Das Frankfurter Architekturmuseum zeigt eine Schau über 19 Bühnenbauten in Europa, die in den letzten zehn Jahren saniert oder neu gebaut wurden. Wie viel Geld wurde ausgegeben? Und wofür genau?.

Die Bankenstadt bricht mal wieder alle Rekorde. 868 Millionen Euro soll die Sanierung der dortigen, maroden Doppelanlage von Schauspiel und Oper aus den 60er Jahren kosten, bei laufendem Spielbetrieb. Bei ausgelagertem Betrieb würden 848 Millionen Euro für die Sanierung anfallen, für Abriss und Neubau 888 Millionen Euro. Ein Schock für alle, obwohl eine Sanierung ähnlicher Häuser locker 500 bis 700 Millionen Euro schluckt.

Auch andere deutsche Theater sind in die Jahre gekommen. Die Kölner Bühnen werden seit 2012 und bis 2022 saniert, für 545 bis 570 Millionen Euro. Das Mannheimer Nationaltheater muss neu ertüchtigt werden (185 Millionen Euro), die Stuttgarter Oper ist ab 2021 dran (400 Millionen Euro). Das Karlsruher Staatstheater soll für 275 bis 325 Millionen Euro saniert werden. Und der Umbau der Berliner Staatsoper stieg auf über 400 Millionen Euro.

Nun sorgt das Frankfurter Architekturmuseum (DAM) für eine Versachlichung der Debatte mit einer Schau über 19 vergleichbare Bühnenbauten in Europa, die in den letzten zehn Jahren saniert oder neu gebaut wurden. Im Zentrum der Schau stehen die Frankfurter Bühnen mit Oper (1400 Plätze), Schauspiel (800 Plätze) und Kammerspiel (180 Plätze), seit dem Bau des Schauspielhauses 1902 zusammengewachsen. Nach 1945 wurde das beschädigte Haus wiederhergestellt und als Oper genutzt; die Erweiterung des Schauspielhauses folgte etwas später. Seither wurde wenig saniert und viel an- oder umgebaut.

Technik hat sich stark verändert

Aber die Technik hat sich stark verändert, wie Pläne zeigen. Waren 1902 noch Bühne und Zuschauerraum ähnlich groß, wächst der Bühnenbereich seit den 1960ern stetig. Heute gibt es Neben- und Hinterbühnen für wechselnde Bühnenbilder. So sieht der Besucher nur 20 Prozent des Baus, 80 Prozent machen Bühnen, Werkstätten und Verwaltung aus. Ein riesiger Betrieb, und kaum ein Theater ist mit dem anderen vergleichbar.

Das Frankfurter Haus umfasst 84.000 Quadratmeter Fläche, weitere 15.000 Quadratmeter kommen für Probebühnen, Lager und Gästewohnungen hinzu. Es ist eines der größten deutschen Theaterbauten, und die Relation von Größe und Kosten ist für DAM-Chef Peter Schmal entscheidend. Er bemängelt die in Deutschland gern betriebene Kostenverschleierung. So werden die Kosten für ausgelagerte Spielstätten während einer Sanierung oft gesondert aufgeführt – schon sieht das Ganze besser aus. Die Frankfurter Studie summiert jedoch alles auf.

In Oslo etwa wurde 2008 ein Neubau für Oper und Ballett in einem alten Hafengebiet eröffnet; bei heutigen Preisen würde er 393 Millionen Euro kosten. Sogar auf dem Dach darf man es sich gemütlich machen. Aber das Haus ist noch nicht mal halb so groß wie Frankfurt. Schon eher vergleichbar sind die Kölner Bühnen, die fast 80 Prozent der Frankfurter Fläche haben.

Freilich zeigt die Schau auch, dass viele Theater nun tagsüber geöffnet sind, eine Stadtbibliothek oder andere Einrichtungen beherbergen. Auch das sollte in Frankfurt geändert werden, etwa ein Buchhandlung im Haus oder ein Café aufs Dach. Dafür müsste das Areal ums Haus erst mal entrümpelt werden. Wenn das Theater dann in die Stadtmitte rückt, wären ein paar Millionen mehr ein Gewinn für alle. Derzeit will der Magistrat jedoch nur eine preiswertere Sanierung, so der neue Prüfauftrag.


Frankfurt/Main, Deutsches Architekturmuseum: „Große Oper – viel Theater? Bühnenbauten im europäischen Vergleich.“ Bis 13. Mai. Di. und Do.-So. 11-18, Mi. 11-20 Uhr. Internet: www.dam-online.de; Blog: www.grosseoper-vieltheater.de

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