Neuer Sammlungsraum in Osnabrück Futuristische Raumkapsel für Albrecht Dürer

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Osnabrück. Keiner wollte ihn sehen – den Raum mit den Meisterwerken von Albrecht Dürer im Osnabrücker Museumsquartier. Das soll sich jetzt ändern. Die Designer Krastev + Krastev haben für den Raum eine neue Ausstellungskapsel entworfen.

Heute ein Star, morgen schon recycelt: Ausgerechnet Hausgott Daniel Libeskind ist nun am Ort seiner ersten Schöpfung, dem Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus, genau das widerfahren. Die in bewährter Blitzoptik geformten, rostrot gehaltenen Ausstellungsmöbel des Dürer-Kabinetts im Kulturgeschichtlichen Museum sind zu gestalterisch nichtssagenden Sitzwürfeln in der Museumslounge verarbeitet worden. Die neuen Ausstellungselemente kommen von den Kasseler Designern Milen und Jessica Krastev. Was macht sie so erfrischend neu? Libeskind setzte für seine Gestaltung bei Libeskind an, Krastev + Krastev bei Dürer. Hier weiterlesen: Neue Kuratorinnen für das Osnabrücker Musuemsquartier.

Modul für den Raum

Libeskind hatte für seine Raumelemente einfach eigene Architekturformen verzwergt. Die Krastevs haben sich ihr zentrales Element bei Albrecht Dürer selbst abgeholt. Der Rhomboederstumpf von dessen Meisterstich „Melancolia I“, geometrische Rätselfigur und Symbol einer nie abzuschließenden Suche nach Erkenntnis, lieferte das zentrale Modul für den Raum. Die Kasseler Designer haben die geometrische Form mit ihren vielen Schrägen nun in drei Elemente geteilt, die den Raum nun füllen. Hier weiterlesen: Nils-Arne Kässens - sein Konzept für Osnabrücker Museen.

In der Enterprise

Wer jetzt vor ein Original Dürers tritt, mag für einen Moment das Gefühl haben, sich im Cockpit von Raumschiff Enterprise zu befinden. Die aufragenden Schalenformen haben futuristisches Gepräge. Sie saugen den Besucher regelrecht in sich hinein. Der schaut von oben auf die schräg gestellten Blätter. Was auf den ersten Blick wie ein gestalterischer Gag wirkt, hat jedoch seinen Sinn. Denn die Dürergehäuse bergen den Besucher, der sich im abgedimmten Licht zum intimen Tete-à-Tete mit Meisterwerken wie „Adam und Eva“ oder „Hieronymus im Gehäus“ Zeit nehmen und Ruhe finden kann. Hier weiterlesen: Ein Künstlerprojekt zu den Grafiken Albrecht Dürers.

Vor blauen Wänden

Vor allem aber verstellen die Elemente den Blick von Tür zu Tür. Der Eckraum verliert mit diesem Kunstgriff seinen Charakter als hastig durcheilte Passage. Die raumgreifenden Elemente in Anthrazit vor blauen Wänden bremsen den Weg der Besucher, erzwingen so Konzentration. Museumsleiter Nils-Arne Kässens will mit der neu gestalteten Präsentation die Trendwende für Albrecht Dürer erzwingen. Immerhin 180 meisterhafte Blätter des Klassikers verdankt das Museum der Stiftung des Mäzens Konrad Liebmann. In den zurückliegenden Jahren wurde aus diesem Schatz allerdings zu wenig gemacht. Dürer wurde eher verwahrt als inszeniert. Welche Besucher schauten schon hin, wenn Dürer zu sehen war? Zu wenige. Hier weiterlesen: Osnabrücker IHK will Bilder Nussbaums verkaufen.

Geld der Sivert-Stiftung

Dass die Initiative zu einer Neupräsentation der Werke Dürers überhaupt ergriffen werden konnte, ist Hans-Wolf Sievert zu verdanken. Die Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur stellte insgesamt 35000 Euro für den Neuentwurf der Präsentation bereit. „Als Museum haben wir kein Museum, um eine solche Modifikation vorzunehmen“, räumte Nils-Arne Kässens ein. Für ihn ist die Wiedereröffnung des Dürerraums eine Station in einer ganzen Kette von Wiedereröffnungen, mit denen Kässens Räume und Areale des Museumsquartiers wieder ins Spiel bringen möchte. So wird das Akzisehaus in diesem Jahr folgen. Der kleine Bau ist schon einmal leer geräumt.


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