Imaani Brown las aus seiner Autobiografie „Gewalt war etwas ganz Normales für mich“

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Imaani Brown liest im Stadtgalerie Cafe. Foto: Hermann PentermannImaani Brown liest im Stadtgalerie Cafe. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Das Buch „Hallo Deutschland. Auf der Suche nach Heimat“ ist erst vor wenigen Tagen erschienen. Osnabrück war nach der Leipziger Buchmesse die zweite Station für Imaani Brown, um es öffentlich vorzustellen. Zu Gast war er bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Eigentlich habe er das Buch gar nicht schreiben wollen, erzählt Imaani Brown, kaum dass er hinter dem Lesepult im Stadtgalerie-Café sitzt. Denn er habe sich nicht immer wieder mit der eigenen Geschichte befassen wollen. Als er dann aber mit seiner Lektorin Elisabeth Ruge über ein anderes Buchprojekt gesprochen habe, hätte sie ihn gefragt: „Warum schreibst du nicht über dein Leben?“. Das Resultat sind 256 Seiten Zeugnis darüber, was Krieg in Menschen anrichten kann – und wie weit der Weg ist, dort wieder heraus zu finden.

Schnell redet Imaani Brown. Fast atemlos. Von dem Tee, um den er zu Beginn der Veranstaltung der Internationalen Wochen gegen Rassismus gebeten hat, nimmt er bis zum Ende der Lesung keinen Schluck.

Naja, eine Lesung ist es auch nur kurz. Brown liest nur wenige Seiten. Dann erzählt der Mann, der heute als Comedien, Autor, Musikproduzent und DJ arbeitet aus seinem Leben: Von seiner Kindheit zwischen Bombenangriffen und Leichen im Iran zur Zeit des Ersten Golfkrieges. Wie es war, als sein Vater ihn 1986 als Sechsjährigen in ein Flugzeug nach Deutschland setzte. Von seinem Vater, der seine Mutter aus Enttäuschung über sein eigenes Leben bewusstlos schlug. Von seinem Onkel, der seine Tante getötet hat. Von seiner Zeit in einem norwegischen Kinderheim. Von seiner Zeit als Drogenkonsument und Dealer. Von seinem Zusammenbruch.

„Gewalt war etwas ganz normales für mich“, erzählt Brown von seinem früheren Leben, das durch eine Begegnung in Bangkok eine Wendung erfuhr: Dort begegnete er Helen, die ihm imponiert, weil sie das Leben als launisches Geschenk betrachtet. „Und für mich war es ein Scheißehaufen“, erinnert er sich. Drei Monate hat er mit der Schwedin in Bangkok gelebt: „Sie ließ mich, wie ich bin.“ Heute haben die beiden noch Kontakt über Facebook. „Sie ist ein sehr wichtiger Mensch für mich“, betont Imaani Brown und sagt: „Seit einigen Jahren geht es mir ganz gut.“ Grund sei auch der Glauben, zu dem er gefunden habe: Imaani Brown ist Zoroastrier. Eine Religion, die auf drei simplen Regeln besteht, erläutert Brown: „Gute Taten, gutes Reden und gute Gedanken.“


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